Mein Auslandsjahr - Südafrika

iKethelo Children's Village

01April
2018

Von Durban nach Cape Town - mein Roadtrip durch Südafrika

Hallo liebe Blogleser, 

Vor ziemlich genau einer Woche bin ich von meinem Roadtrip durch Südafrika zurückgekommen und jetzt wird es Zeit auch einige Bilder und Geschichten hier mit euch zu teilen. Wir haben viel erlebt und jeder Tag war anders und an jedem Ort durfte ich Südafrika anders erleben. Da ich so viel erlebt habe und so viele Fotos habe, die ich gerne zeigen würde, dass es diesen Blogeintrag sprengen würde, werde ich einfach ein paar meiner Lieblingsbilder und die Geschichten dahinter erzählen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Bevor es aber mit den Fotos losgeht, werde ich noch schnell erklären wie unsere Reise grundsätzlich abgelaufen ist. Marie und ich waren für zwei Wochen mit BAZBUS unterwegs. Das ist ein Hop-on Hop-off Bus, der uns direkt an unseren Hostels abgesetzt und auch wieder eingesammelt hat. Wir sind in diesen zwei Wochen von Durban nach Kapstadt und wieder zurück gefahren. Für Marie und mich war es unser erster Urlaub, den wir komplett alleine geplant (zum Glück nicht bezahlt) haben und dementsprechend waren wir auch nochmal ganz anders aufgeregt. Haben wir auch wirklich alle Hostels für den richtigen Tag gebucht, weiß der Busfahrer, dass er uns heute abholen muss? Alles neu und aufregend, aber am Ende hat alles wunderbar gepasst und wir hatten keine Probleme. Auf der Erwachsenwerden-Checkliste können wir Urlaub-buchen-ohne-Eltern-die-uns-über-die-Schulter-schauen guten Gewissens abhaken. 

So jetzt geht es aber los: 

 

Was ich immer wieder besonders genossen habe war die Zeit und der Blick über das Meer. Auch wenn wir in Durban wohnen, verbringen wir doch nur sehr wenig Zeit am Strand. Dieses Bild ist in Jeffrey's Bay enstanden, ein weltbekannter Surferort. Leider hatten wir an diesem Tag nur Regen und so konnten wir in "J-Bay" nicht selbst surfen. Der Blick von unserem Hostel war der Stop  aber auf jeden Fall wert. 

Einer meiner absoluten Lieblingsstops war auf jeden Fall Wilderness! Nach einer tollen Nacht in Jeffrey's Bay, in der wir viele Leute getroffen haben und erst morgens ins Bett gekommen sind, war Wilderness der perfekte Ausgleich. Mit einem endlosen Strand und einem Zimmer mit Meerblick haben Marie und ich die Seele baumeln lassen und den schönsten Sonnenuntergang miterlebt, den ich je gesehen habe. Ein kleines Paradies.

Am nächsten Morgen hatten wir noch einige Stunden Zeit und sind eine stillgelegte Bahnstrecke entlang gewandert. Direkt an der Küste entlang, durch Tunnel und über Brücken. Auch eins meiner absoluten Highlights! 

Dieses Foto ist in Mosselbay beim Sandboarding entstanden. Dort konnten wir die höchste Düne Südafrikas runtersliden. Auch wenn es ähnlich aussieht wie Snowboarden, ist es meiner Meinung nach sehr viel einfacher, da Sand weniger rutschig ist als Schnee. Echt toll, eine Sportart auszuprobieren, die bei uns eher schwierig wäre. Wirklich lustig war aber auch unser Coach, der uns verschiedene lustige Geschichten erzählt hat. Zwei davon will ich euch auch erzählen, weil sie einfach so verrückt klingen. 

Im Gebiet, in dem diese Düne liegt, wächst eine bestimmte Schlingpflanzenart, von der sich die Schafe dort ernähren. Jedes Jahr gibt es einen Monat, in dem der Wind aus einer ganz bestimmten Richtung kommt und aus irgenteinem Grund verändert das etwas in der Pflanze, sodass die Schafe, die in der Zeit davon essen in eine Art Schock verfallen und sich nicht mehr bewegen können. Woran das liegt, weiß keiner und es weiß auch keiner und auch nicht in welchem Monat es wieder passieren wird. Zum Glück haben sie aber eine "Medizin" für die Schafe gefunden: Whiskey und Milch. Klingt wirklich total verrückt. 

Die Düne, auf der wir gefahren sind, liegt auf einem Privatgrundstück, das einem älteren Paar gehört. Allerdigs wussten sie jahrelang nicht, dass diese Düne etwas besonderes sein könnte. Vor 15 Jahren hat dann ein Mann mal nachgemessen und herausgefunden, dass diese Düne die Höchste in Südafrika ist. Das Ehepaar hat die Chance ergriffen und angeboten, dass unser Coach auf dieser Düne Unterricht geben darf, gegen Eintritt. Sie wohnen jetzt also dort und genießen ihr Leben und täglich kommen Menschen und bezahlen dafür, dass sie auf diese Düne Sandboarden dürfen. So ein Glück muss man erstmal haben! Da kauft man mal ein Grundstück und plötzlich liegt genau da die größte Düne des Landes drauf!

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Ein weiterer wunderschöner Stop war Stellenbosch. Der weltberühmte Ort des südafrikanischen Weins. Was würde sich da mehr anbieten als eine Weinverkostung zu machen. Wir wurden also mit einem Tuk-Tuk abgeholt und unser Tourguide war eine ältere Frau, die über Facebook den Job gefunden hatte, weil ihr die Pension allein zu langweilig war. Es war wahnsinnig interessant und inspirierend von ihrer Sicht auf viele Dinge in Südafrika zu hören und Geschichten aus ihrem Leben zu hören. Es war wirklich ein toller Tag und es tat gut sich so verwöhnen zu lassen. Auf ihre Empfehlung haben wir uns auch eine Flasche ihres Lieblingsweins gekauft um ein bisschen Südafrika nach Hause mitzubringen. 

Der Berg auf dem zweiten Bild heißt übrigens "High as Hell" übersetzt auf Englisch. Als wir gefragt haben, woher der Name kommt, meinte die Frau nur: Jemand hat vermutlich versucht raufzuklettern und es auf der Hälfte bereut, weil der Berg nun mal high as hell ist.

An unserem ersten Abend in Kapstadt haben wir den Sonnenuntergang auf dem Signalhill angeschaut und den "gedeckten" Tafelberg gesehen. Bewaffnet mit einer Flasche Wein und einer Packung Kekse haben wir einen wunderschönen Blick über Kapstadt gehabt. Besonders süß war der Heiratsantrag, der wir mitbekommen haben. Zuerst haben wirs gar nicht kapiert und plötzlich applaudieren alle. Echt ein tolles Erlebnis!

Kurz nach dem Sonnenuntergang hatten wir noch diesen beeindruckenden Blick über Cape Town bei Nacht! Wirklich eine tolle Stadt!

Eine der wichtigsten Wahrzeichen von Kapstadt ist natürlich der Tafelberg. Marie und ich waren uns aber einig, dass es viel cooler ist, selbst hochzulaufen, als mit der Gondel zu fahren. Nach zwei Stunden Treppensteigen und mehrmaligen Fragen, ob wir eigentlich noch ganz normal im Kopf sind, haben wir dann doch unser Ziel erreicht. Und der Ausblick war den ganzen Schweiß und alles Fluchen wert. Wir haben oben auch nochmal mehrere Stunden verbracht, weil es einfach so wunderschön war. 

Total süß waren auch die Dassies. Sie sehen aus wie große Hamster und mögen anscheinend Äpfel. Ich hab ihnen aus Spaß meinen Apfel hingehalten und hätte nicht gedacht, dass sie wirklich so mutig sind, aber er hat mir sogar aus der Hand gefressen. Danach war ich natürlich der Hit bei den kleinen Kindern, die uns zugeschaut haben. 

Als wir schon wieder auf dem Weg zurück nach Durban waren, haben wir noch einen Tag in Port Elizabeth gestoppt um den Addo Elephant Nationalpark zu besuchen. Auf einer ganztägigen Safari haben wir Elefanten, Warzenschweine (Pumbas), Zebras, Antilopen, alle möglichen Vögel und Wasserbüffel gesehen. Am Ende hatten wir sogar das Glück einen Löwen zu sehen. Echt beeindruckend! Auch wenn ich im Zoo natürlich schon viele dieser Tiere gesehen habe, ist es schon was ganz anderes, wenn eine riesige Elefantenherde ganz knapp an dem Auto vorbei geht. Wenn man auf dem Bild genau hinsieht, kann man ganz viele Elefanten an dem Wasserloch entdecken. 

Und am Ende noch ein Bild von meiner Lieblingsreisebegleiterin. Auch wenn wir viel zu viel gegessen, viel zu viel Geld ausgegeben und viel zu viel Geld für Essen ausgegeben haben, war es ein wunderschöner Urlaub und ich bin jederzeit für ein neues Abenteuer mit dir bereit! 

Vielen Dank an alle für´s Lesen! Ich kann eine Reise durch Südafrika nur empfehlen. Vor allem alles was man erlebt, das man nicht in Fotos festhalten kann. Menschen, die man trifft und all die unterschiedlichen Seiten des Landes. Nachdem ich aber auch die Touristenseite gesehen habe, muss ich sagen, dass ich den Teil des Landes bevorzuge in dem die Kühe nicht eingezäunt sind, weil ich hier mein neues Zuhause gefunden habe und auch wenn es oft anstrengend ist, dass es hier so gar nicht wie in Österreich ist, sind Rundhütten und Kühe auf der Straße, Aunties in bunten Schürzen und das Schreien der Kinder viel mehr Südafrika als Strand, Wein und Urlaub. 

Liebe Grüße und schöne Ostern!

Eure Anja 

 

PS: Genau das war der Blick meiner Eltern als ich sie raten habe lassen wie viel mein Urlaub gekostet hat. wink

 

 

 

 

 

25Februar
2018

Pre-School - von A-A-Apple und Hokey -Pokey

Hallo liebe Blogleser, 

seit meinem letzten eher deprimierenden Eintrag habe ich länger nichts mehr geschrieben und ich finde es wird Zeit euch mal ein Update zu meinem Leben hier zu geben. Es hat sich nämlich einiges geändert und ich habe neue Aufgaben und damit auch neue Herausforderungen, denen ich mich täglich stellen muss.  

Seit Beginn dieses Schuljahres haben wir in iKhethelo nicht nur eine Volksschule, sondern auch eine Vorschule für die 3-4-Jährigen. Diese sind zwar noch ziemlich jung, aber umso früher sie Englisch lernen, desto leichter werden sie es später in der Schule haben. Dann können sie nämlich auch in die Schulen gehen,  in denen auf Englisch unterrichtet wird und haben bessere Chancen später einen guten Abschluss zu machen und studieren zu können. Davon sind wir jetzt natürlich noch weit entfernt wink

Zurzeit werden in der Vorschule zwischen 4 und 6 Kinder unterrichtet, das hängt davon ab, ob die Aunties ihre Kinder mitbringen oder nicht. Jannine, unsere Volunteer-Koordinatorin, leitet das Programm und hat mich vor einigen Wochen gefragt, ob ich Interesse hätte, ihr zu helfen und dreimal die Woche in der Vorschule mitzuarbeiten. Ich habe "Ja" gesagt und so bin ich nun zu meinem neuen Job im Village gekommen. 

Meine Arbeitszeiten sind von 8:00-12:30 Uhr jeden Montag,  Dienstag und Donnerstag. Wir beginnen den Tag meistens mit einigen Liedern und versuchen den Kindern ein bisschen Zeit zu geben um ihre ganze überschüssige Energie loszuwerden, damit sie sich später besser konzentrieren können. Es handelt sich hierbei um Tophits wie "Itsy Bitsy Spider" oder "Hokey Pokey", die ich den ganzen restlichen Tag als Ohrwurm habe. Dabei können die Kinder auch den Unterschied zwischen Links und Rechts lernen ("Put your right hand in, put your right hand out, put your right hand in and shake it all out,..."). Auch die christliche Erziehung spielt hier eine große Rolle und so marschieren wir oft um den Tisch und singen "I'm in the Lord's Army- YES SIR!" Den Kindern macht es großen Spaß und sie lieben es zu singen und zu tanzen.  

Danach beginnen wir mit dem eigentlichen Programm. Wir lernen das ABC ("A-A-APPLE, B-B-BALL,...), Wochentage und Jahreszeiten. Außerdem stehen wir oft am Fenster und überlegen wie das Wetter gerade so ist (laut den Kindern immer sunny) oder zählen unsere Zehen. Später geht es weiter mit Buchstaben schreiben und Bilder ausmalen. Meine Aufgabe dabei ist meistens einfach aufzupassen, dass keiner den Tisch oder sich selbst anmalt.

B-B-BALL Die Jungs beim Ausmalen

Nach einer Jause mit einem Sandwich und Saft geht es weiter mit Craft, also Basteln und wir lernen jede Woche über ein anderes Insekt. Zum Beispiel gehen wir dann draußen nach Spinnen suchen und basteln dann eine Spinne aus Papier. Um 12:30 gehen wir dann zurück in die Creche, wo die Kinder dann bis 2:00 Uhr beaufsichtigt werden. 

Auf der Suche nach Spinnen

Soviel also zu unserem Programm und wie es theroretisch alles aussieht. In Wirklichkeit ist es natürlich alles ganz anders aus, wie jeder, der mit Kindern arbeitet, sicher bestätigen kann. Statt im Kreis zu tanzen, liegen sie manchmal auf dem Boden und statt schön innerhalb der Linien zu malen, wird der ganze Tisch angekrizelt. Aber auch wenn es immer wieder sehr anstrengend sein kann, macht es mir auch wirklich viel Spaß. Vor allem die Freude der Kinder, wenn sie etwas gut gemacht haben und wir sie dafür loben oder unsere Prinzessin, für die alles pink sein muss. Da wünscht man sich echt, man könnte sich auch nochmal so über einen pinken Stift freuen, wenn sie in ihrem pinken Kleidchen auf dem pinken Sessel sitzt und dir strahlend zeigt dass sie gleich zwei pinke Stifte hat. 

Hauptsache Pink

Auch die Unterhaltungen mit den Kindern sind immer wieder sehr witzig. Sie können zwar alle eher schlecht englisch, aber das hält sie nicht davon ab dich zuzuquatschen. Vor allem, wenn wir ihnen freie Zeit zum Spielen mit Knete geben, erzählen sie ununterbrochen was sie alles machen. 
"Is me, is cooking for Auntie. Is Porridge." oder 
"I'm making the snake! Is sleeping Snake"

Vor allem ist es aber süß, wenn sie spielen, dass sie Lehrer sind und wir die Schüler. Wenn eines der Kinder sich nämlich nicht gut benimmt, rufen wir Uncle David an und er nimmmt die Kinder dann mit ins Office, damit sie sich beruhigen und hoffentlich später besser benehmen. Wenn sie also die Lehrer sind, dann rufen sie immer Uncle David an: "Hello David, you please come. Yes is Anja, is naughty. Please take to Office, Thank you, bye!" Und dann werde ich auf einen Sessel gesetzt und alle schauen mich ganz böse an. 

Natürlich könnte ich noch viele Geschichten erzählen, aber ich denke, damit hab ich mal einen guten Überblick über meine neuen Aufgaben gegeben. Ich kann leider auch nicht zu viele Bilder hochladen, da ich ja die Gesichter der Kinder möglichst wenig zeigen soll. 

Vielen Dank an alle, die immer wieder so fleißig lesen und viele liebe Grüße!

Anja 

 

 

 

17Januar
2018

Schlechte Tage und tiefgehende Erfahrungen

Hallo liebe Blogleser, 

jetzt habe ich euch schon so viel von all den tollen und schönen Dingen erzählt, die ich in den letzten Monaten erleben durfte und ich finde es wird Zeit auch von den Dingen zu erzählen, die mich traurig machen oder mich wirklich zum nachdenken bringen. Immerhin soll dieser Blog meine ganze Auslandserfahrung wiederspiegeln und da gehören auch die nicht so schönen Erfahrungen dazu. 

Als erstes möchte ich über das Thema Heimweh schreiben und euch erzählen wie es mir damit geht, denn immerhin ist es das erste Mal, dass ich meine Familie und Freunde länger als zwei Wochen nicht sehe. Insgesamt geht es mir damit wirklich recht gut und ich habe ja immer wieder die Möglichkeit mit meiner Familie und meinen engsten Freunden zu skypen oder zu schreiben. Aber auch das längste Telefonat kann ein Treffen nicht ersetzen und an vielen Tagen wär eine Umarmung von meiner Mama oder einen Kaffee mit meiner besten Freundin genau das was ich brauchen würde. Auch die Dinge, die man nie gedacht hätte, dass man sie so vermissen kann, verursachen plötzlich ein großes Loch und man wünscht sich zuhause sein zu können. Jetzt im Auto mit meinen Geschwistern unsere Lieblingslieder performen oder gemeinsam einen Film schauen und unseren Kater streicheln zu können. Oder Oma's Streuselkuchen essen und aus dem Fenster über den Wiener Wald schauen. Mit meiner Jugend dumme Witze machen beim Abendessen und danach "Mafia"spielen. Im "Salettl" sitzen und mit einem Spritzer anstoßen oder gemeinsam feiern bis die Sonne aufgeht. Vor der Gloriette sitzen bis man von den Parkwächtern rausgeworfen wird. Bei Mc-Donalds einen Schoko-Cookie-Frappe trinken und sich drüber aufregen, dass das Schlagobers fehlt. Und das ist nicht mal ansatzweise alles was mir in den letzten Monaten gefehlt hat bzw. immer noch fehlt. Das Schöne ist, dass ich damit nicht allein bin und Louisa und Marie besser als alle zuhause verstehen können, wie sich das alles anfühlt. Wenn uns also das Heimweh packt, erzählen wir von zuhause, kochen was uns an zuhause fühlen lässt, schauen uns Fotos von unseren Liebsten an, versuchen uns abzulenken oder akzeptieren es einfach, dass man manchmal auch ein paar Tränen vergießen muss.

Eine weitere Sache, die mir immer wieder einiges an Stärke abverlangt sind die Geschichten der Kinder. Natürlich kenne ich nicht jede Geschichte und viele sind auch einfach unbekannt, aber die Geschichten, die ich kenne, treiben einem Tränen in die Augen und man fragt sich einfach nur noch: Warum? Kinder werden in Schuhkartons auf der Straße gefunden, stundenlang in einem winzigen Zimmer eingesperrt, vergewaltigt, geschlagen oder einfach alleine gelassen. Ich höre die Geschichten und sehe die Kinder und frage mich: wie kann man ihnen das antun? Auch wenn man es tagsüber während man mit den Kindern arbeitet, gut ausblenden kann, kommen solche Gedanken in ruhigen Minuten wieder hoch und man realisiert wie gut man es eigentlich hat. Ich habe Eltern, die mich lieben und ein sicheres Zuhause und ich bin gesund. Wenn man kleine Kinder sieht, die eine Krankheit haben an der sie ziemlich sicher sterben werden und alles was man tun kann ist, dieses Ende möglichst lange rauszuzögern, merkt man wie viel dankbarer man für seine Gesundheit eigentlich sein sollte. Alles was ich tun kann um den Kindern zu helfen, ist sie zu lieben und zu hoffen, dass sie lernen, dass alles was in der Vergangenheit passiert ist, Vergangenheit ist und dass sie hier und jetzt geliebt und wertgeschätzt werden. 

Etwas was mich traurig und zugleich wütend macht, will ich auch noch hier erzählen. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass wir in Botha's Hill wohnen, was sowas wie ein Township ist. Die Menschen leben hier in Rundhütten mit Wellblechdächern und unter keinen besonders guten Umständen. Das Kinderdorf ist ganz am Anfang von Botha's Hill, aber umso weiter man hineinfährt, desto ärmer wird es. Ungefähr 10 Minuten entfernt, liegt Hillcrest. Ein Reichenort, in dem sich Gate Communities aneinanderreihen und fast jeder einen Land Rover fährt. Eine "Gate Community" ist, wie der Name schon sagt, eine Gemeinschaft von mehreren Familien oder Paaren, die alle zusammen hinter einem Zaun wohnen. Es gibt also ein Eingangstor und innerhalb eines hohen Elektrozauns stehen dann einige Häuser. Im Grunde geht es dabei hauptsächlich um Sicherheit und um sicher zu stellen, dass niemand in die Nähe deines Grundstücks kommen kann, der dazu nicht befugt ist. An sich ist es auch okay, sein eigenes Grundstück einzuzäunen, nichts anderes tun wir ja auch. Das eigentliche Problem, dass ich damit hab, ist dass es so scheint, als hätten viele dieser Gate-Community-Mitglieder vergessen wie es um sie herum aussieht. Ich habe immer das Gefühl, dass sie sich hinter ihren Elektrozäunen verstecken und gar nicht sehen wollen wie es nur 10 Minuten entfernt von ihnen aussieht. Man hört ja immer von den großen Unterschieden zwischen arm und reich in Südafrika, aber das es so krass ist, hätte ich wirklich nicht gedacht. Es tut weh und es macht mich wütend zu sehen,  wie ignorant diese Menschen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man ruhigen Gewissens teuren Wein trinken kann, während nicht mal eine Viertelstunde entfernt, Menschen kein fließendes Wasser haben.  

Das selbe Problem habe ich leider auch in der Kirche, die wir besuchen. Die liegt auch in Hillcrest und ist riesig. Das Kinderprogramm ist wirklich gut und auch die Gottesdienste sind meistens sehr schön, aber auch hier sind wieder lauter reiche weiße Südafrikaner, die, wie es mir scheint, sehr stolz darauf sind, dass sie ja so viel Geld an soziale Projekte geben. Was an sich auch sehr schön ist, aber ich habe das Gefühl, dass es da mehr um den guten Ruf geht, als darum wirklich jemandem zu helfen. Denn dann würde sicher weniger Geld an die private christliche Schule der Kirche gehen und man könnte uns zum Beispiel helfen alle Schulsachen für die Kinder zu kaufen oder einem Kind aus Botha's Hill überhaupt eine einigermaßen gute Schulbildung zu ermöglichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihre Schule unbedingt ein eigenes Schwimmbecken braucht, wenn es Kinder gibt, die nicht mal Kleidung haben. 

Ich weiß, dass das kein besonders fröhlicher und schöner Blogeintrag war, aber ich habe das Gefühl, dass ich das alles auch einmal loswerden musste. Natürlich sind das alles auch nur meine eigenen Gedanken und Eindrücke und ich weiß natürlich nicht wie die Finanzen der Menschen in Hillcrest oder die der Kirche wirklich aussehen. 

Vielen Dank für's Lesen und ich versuche nächstes Mal über etwas schönere Themen zu schreiben.winkDann gibts auch wieder Fotos, die hier aber einfach nicht gepasst hätten. 

Viele liebe Grüße und eine gute neue Woche, 

Anja

 

 

06Januar
2018

Silvester in Kapstadt

Hallo liebe Blogleser, 

 Erstmal Frohes neues Jahr und willkommen zu einem neuen Blogeintrag! Heute aus Kapstadt wo ich Silvester und das neue Jahr verbringe. Da wir 4 Tage hier waren, wird das eher ein langer Eintrag - nur so als kleine Vorwarnung! Und jetzt viel Spaß mit meinen Erlebnissen und Erfahrungen in der westlichsten Stadt Südafrikas. 

Unsere Reise beginnt am Flughafen in Durban, der so klein ist, dass es nur ca 20 Gates gibt und so haben wir keine Schwierigkeiten uns zurechtzufinden. Nach einem Flug von ca 2 Stunden landen wir und sind endlich in Kapstadt. Von einem Uber (ein Taxi, das über eine App gerufen wird) lassen wir uns in unser Apartment bringen und genießen dort erstmal den wunderschönen Ausblick über das Meer. 

Nach einer halben Stunde kommen auch die anderen Mädchen an mit denen wir uns das Haus teilen, die von der selben Organisation wie Louisa und Marie nach Südafrika gekommen sind. Zusammen einigen wir uns dann wer, mit wem und wo schläft und ich habe das Glück das schönste Zimmer von allen mit eigenem Balkon zu bekommen. Nachmittags machen wir uns dann auf den Weg zum Strand und schauen uns einen kleinen Food Market an und verbringen einen schönen ersten Abend in Kapstadt. 

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und machen uns auf den Weg in die Innenstadt von Kapstadt um dort in einer der typischen roten Touri-Busse zu steigen. Den Tag wollen wir nämlich mit Sight-Seeing verbringen und man kann ja kaum nach Kapstadt fahren, ohne am Kap der guten Hoffnung gewesen zu sein. 

Zuerst fahren wir an den Cape Point, also den südlichsten Punkt des Kaps. Dort laufen wir hinauf zu einem der ältesten Leuchttürme und machen Erinnerungsfotos. Dort kann man auch das Denkmal Vasco da Gamas sehen, der als erster Europäer das Kap erreichte. Nach diesem ersten Stop nutzen wir die Gelegenheit und wanderten um das Kap herum zu dem Punkt wo sich atlantischer und indischer Ozean treffen.

Auch wenn viele Menschen behaupten, sie könnten eine Linie sehen, wo die beiden Ozeane sich berühren, sieht man in Wirklichkeit "nur", dass Wellen aus zwei verschiedenen Richtungen auf die Küsten zukommen. Trotzdem sehr beeindruckend und wirklich wunderschön. Nachdem wir auch hier viele Fotos gemacht hatten, ging es mit dem Bus weiter zum Boulder's Beach an dem die afrikanischen Pinguine oder auch Brillenpinguine leben. 

Zwar war es sehr witzig die süßen Tiere in einem total untypischen Umfeld zu beobachten, aber am Ende waren wir uns alle einig, dass dieser Ort viel zu touristisch ist und man durch die vielen Menschen eher das Gefühl hatte in einem Zoo zu sein, als die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. 

Als wir nach diesem schönen Tag wieder in Kapstadt angekommen waren, sind wir noch alle gemeinsam essen gegangen und sind danach todmüde ins Bett gefallen. 

Am nächsten Morgen haben wir uns dann nach einem entspannten Frühstück wieder auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Diesmal allerdings haben wir den Zug ausprobiert, der uns immer wieder als gefährlich beschrieben wurde, vor allem nachts. Tagsüber mit vielen Leuten sollte es allerdings kein Problem sein. Und so kauften wir uns ein Ticket für ca 80c und fuhren eine Stunde in die Stadt. Wir wurden natürlich angestarrt, weil kaum ein anderer Weißer hier mitfährt, aber außer, dass zwischendurch die Tür einfach offenstand, war das alles kein Problem. 

In der Stadt angekommen, haben wir uns die bunten Häuser der früheren Sklaven angesehen, die heute eine große Attraktion sind.Ein wirklich wunderschönes Viertel der Stadt- komplett in Regenbogenfarben gestrichen.

Danach haben wir uns die Waterfront angesehen und in einem coolen Foodmarket eine Pizza, eine Waffel und einen Shmoothie geholt - man gönnt sich ja sonst nichts ;). Da es ja der 31.Dezember, also Silvester war, haben wir abends einen netten Cocktail und ein gutes Abendessen in einem sehr netten mekanischen Restaurant gegessen und haben auf ein gutes Ende von 2017 angestoßen. In einer kleinen Cocktailbar konnte man sich an einer modernen Juke-Box Musik wünschen und so haben wir mit dem ganzen Lokal und allen Gästen Macarena getanzt. 

 

Als wir uns gerade auf den Weg zu einem netten kleinen Eisladen gemacht hatten, begann es plötzlich zu schütten, wie ich es hier lange nicht mehr erlebt habe. Wir hatten natürlich alle nur unsere Sommersachen an und kamen komplett durchnässt am Eisgeschäft an. Das hat uns nicht davon abgehalten ein leckeres Eissandwich und Cookies zu essen. So ein Pech muss man erstmal haben! Kapstadt steckt gerade in der schlimmsten Dürre der letzten 100 Jahre und genau zu Silvester muss es schütten! 

Wir haben uns allerdings nicht die Laune verderben lassen und haben entschieden, dass wir wieder zur Waterfront fahren und dort mit gefühlt allen anderen Touristen das Feuerwerk anzuschauen. Komplett durchgefroren haben wir also die letzten Sekunden von 2017 runtergezählt und dann das wunderschöne Feuerwerk anzusehen und so 2018 zu begrüßen. Danach machten wir uns auf den Weg zurück auf die Longstreet, die Haupteinkaufs-und Restaurantsstraße. Zum Glück hatten wir unser Geld und unsere Handys in unseren BH's versteckt, denn immer wieder spürten wir wie jemand, wie zufällig, seine Hände in unseren Taschen hatte. In einem coolen Bierlokal mit Tanzfläche haben wir dann die ersten Stunden des neuen Jahres verbracht. Mit Blick auf den Sonnenaufgang über dem Meer sind wir dann sehr zufrieden eingeschlafen. 

Am nächsten und leider auch schon letzten Tag in Kapstadt haben wir erstmal lange geschlafen und haben uns dann den Nationalpark von Kirstenbosch angesehen. Mit den wunderschönen Gärten und dem Tree-Top Weg war dieser auf jeden Fall einen Besuch wert und bei einem entspannten Picknick mit Blick auf die Berge hatten wir nochmal Zeit zu entspannen. 

Abends haben wir gekocht und uns bei einem guten Glas Wein gegenseitig von den Projekten erzählt, in denen wir arbeiten. Es hat gut getan sich austauschen zu können und von Problemen, der anderen zu hören, hat uns geholfen unser Kinderdorf noch mehr wertzuschätzen. Ich hab mich gefreut, diese lieben Mädchen kennenzulernen und zu hören was sie so in Südafrika erleben. 

Am nächsten Morgen, unserem Abreisetag, hat mich Marie mit folgenden Worten geweckt:" Anja, ich habe eine ganz tolle Idee". Klingt schon mal eher verdächtig. Ihre Idee war nochmal schnell runter zum Strand zu gehen und ein morgendliches Bad im Atlantik zu nehmen. Nachdem ich mich lange geweigert habe, hab ich dann doch nachgegeben und so sind wir noch schnell im eiskalten Wasser schwimmen gegangen, aber wir haben wenigstens noch ein Foto von den berühmten bunten Strandhäusern von Muizenberg machen können. 

Nach dem Frühstück wurde es dann Zeit zum Abschied nehmen und in den Bus zu steigen, der uns nach Durban zurück bringen sollte. Über 22 Stunden sollte das dauern und wir hatten so gar keine Lust darauf. 

Mittlerweile sind wir aber gut angekommen und schauen auf eine wunderschöne Zeit in Kapstadt zurück. Marie und ich planen auf unserer Rundreise durch Südafrika nochmal wieder zu kommen um diese besondere Stadt noch besser kennenzulernen. 

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen mehr von Südafrika zeigen und Bilder sagen sowieso mehr als Worte. 

Liebe Grüße und ein frohes neues Jahr!

Anja 

28Dezember
2017

Merry Christmas - wie man Weihnachten bei 37 Grad feiert

Hallo ihr Lieben,

Erstmal frohe Weihnachten! Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Fest und eine gute Zeit mit Freunden und Familie und habt euch gut erholt.

Für mich war Weihnachten dieses Jahr ganz anders als ich es gewohnt bin. Hier ist nämlich gerade Sommer und so feiert man eher in Shorts und unter Palmen als eingekuschelt vorm Kamin. Außerdem wird Weihnachten hier am 25. Dezember, also am Weihnachtsmorgen gefeiert. Da hier alles etwas anders ist, als ich und ihr wahrscheinlich auch, es kennt, werde ich euch in diesem Blogeintrag von meinen beiden Weihnachtstagen erzählen.

Am 24. Dezember kamen morgens Louisas Eltern zu uns und wir haben gemeinsam gefrühstückt und die 4. Kerze am Adventskranz angezündet. Danach haben wir uns mit viel Sonnencreme und unseren Bikinis ausgerüstet und haben uns auf den Weg nach Durban gemacht. Dort haben wir den bekannten Viktoria Street Market besichtigt, auf dem vor allem viel Schmuck aus Perlen im Zulu-Style und Gewürze kaufen konnte. Am besten hat uns das Chili-pulver namens „Schwiegermutters Höllenfeuer“ gefallen. Außerdem habe ich mir Ohrringe für umgerechnet 60 Cent gekauft. Ein kleines Weihnachtsgeschenk an mich selbst.

Als wir uns an der ganzen Holzkunst und dem Perlenschmuck sattgesehen und unsere Nasen keinen Curry- und Chilliduft mehr aufnehmen konnten, entschieden wir uns der größten Moschee der südlichen Halbkugel einen Besuch abzustatten. Doch als wir uns endlich in die langen Hosen und Jacken, die Vorschrift sind, gequält hatten, mussten wir leider feststellen, dass die Moschee geschlossen hatte. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zum Strand. Als wir so in der Sonne lagen, mussten wir feststellen wie seltsam es ist, zu wissen, dass die Familie zuhause gerade alles für den heiligen Abend vorbereitet und wir hier am Strand liegen. Hätte uns vor einem Jahr jemand gefragt, was wir dieses Jahr zu Weihnachten machen, hätten wir wohl niemals geantwortet, dass wir am Strand in Südafrika liegen. Wir haben auch das coolste Fast-Food-Restaurant der Welt gefunden. Wimpy ist hier so ähnlich wie McDonalds bei uns und hier gibt es eine Filiale mit einem Pool und Meerblick. Wirklich eine coole Idee.

Abends wollten wir in einem indischen Restaurant essen gehen, das uns ein Reiseführer empfohlen hatte. Nachdem wir aber fast eine Stunde herum gefahren sind, ohne das Restaurant zu finden, entschieden wir in einem kleinen süßen Italiener zu Abend zu essen. Bei einem guten Glas südafrikanischem Wein hatten wir einen wirklich schönen Abend. Als wir wieder zuhause angekommen waren, war noch etwas Zeit zum Skypen mit der Familie und dann war der 24. auch schon wieder vorbei.

Richtig Weihnachten gefeiert haben wir hier im Dorf dann am 25.Dezember. Da es hier Tradition ist morgens zu feiern, sind wir mit einem kurzen Gottesdienst mit Blick auf die Berge, in den Tag gestartet.

Danach war es endlich Zeit für Geschenke. Dazu sind wir ins Cottage 5 gegangen und jedes Kind hat einige Päckchen überreicht bekommen. Viele Geschenke haben genau ins Schwarze getroffen, wie zum Beispiel die schwarze Babypuppe und ein Prinzessinnen-Outfit für unser Dreijähriges Mädchen. Auch die coolen Spiderman- und Batman-Rucksäcke für unsere Vorschulkinder waren ein Highlight. Die Kinder zwischen 9 und 14 haben, dank einer großzügigen Spende, eigene Armbanduhren bekommen und erzählen jetzt stolz allen, egal ob sie es hören wollen oder nicht, wie spät es gerade ist. Die Burschen haben alle ihren eigenen Fußball bekommen, damit es endlich keine Streitereien mehr gibt, wer wessen Ball geklaut hat. 

Und habt ihr eure Geschenke schon entdeckt?  

Ein besonderes Geschenk konnte ich den Kindern dieses Jahr dank der Hilfe meiner Gemeinde, der Moga, machen. Vor einigen Monaten ist der gemeinsame Fernseher des Dorfes kaputt gegangen und dadurch auch ein bisschen der gemeinsame Raum für alle um zusammen zu kommen. Die Moga hat Spenden für das Dorf gesammelt für Aktivitäten während der Ferien und da soviel zusammen gekommen ist, hatten wir nicht nur die Möglichkeit tolle Ausflüge zu machen, sondern auch noch den Mittelpunkt in unser „Wohnzimmer“ zurück zu bringen. Ich denke, wir konnten den Kindern damit eine große Freude machen und wieder einen Platz schaffen, an dem alle Altersgruppen zusammen kommen können um einen Film zu schauen oder sich Fußball-Battles auf der Playstation zu liefern. Es ist auch einfach schön zu sehen, wie wirklich alle gerne Zeit miteinander verbringen, wenn Raum dafür ist.

Nachdem alle Geschenke ausgepackt, bestaunt und ins Cottage gebracht wurden, wurde das Essen vorbereitet.  In der Schoolhall haben die Tische festlich dekoriert und die Aunties haben typisches Zulu-Essen gebracht. Besonders cool fand ich auch die Christmas-Cracker. Die sehen aus wie große Bonbons aus Papier und wenn man an beiden Seiten zieht, knallt es kurz und dann kann man meistens eine Papierkrone, einen kleinen Zettel mit einem Witz und ein kleines Geschenk, in meinem Fall einen rosa Plastikring auspacken. 

  

Die Stimmung und das Essen war gut, aber leider herrschte Uneinigkeit darüber, wie der Nachmittag aussehen sollte und so wurde alles sehr stressig, da wir alles sofort aufräumen sollten, statt uns Zeit zu lassen und Weihnachten richtig feiern zu können. Auch die Nachspeise wurde eher schnell runtergeschlungen als in gemütlichem Umfeld genossen. Das hat mir das Weihnachtsfest leider etwas kaputt gemacht.

Nachdem dann alles im Eiltempo aufgeräumt wurde, hatten wir am Nachmittag viel Zeit um den neuen Fernseher mit einem großen Fifa-Fußballmatch gebührend einzuweihen. Abends haben wir uns dann nochmal extra mit den Teenagern Zeit genommen um einen Weihnachtsfilm zu schauen und den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Auch wenn ich sagen muss, dass mir unsere Art zuhause Weihnachten zu feiern besser gefällt, war es eine schöne Erfahrung und vor allem war es schön den Kindern beim Auspacken zuzusehen und die Freude über die vielen tollen Geschenke zu spüren.  Ein persönliches Highlight für mich war dieses Weihnachten auch, dass unsere Jüngste, die gerade angefangen hat zu sprechen, meinen Namen sagen kann. Sie hat den anderen Kindern wohl zugehört und jetzt ruft sie immer wenn sie mich sieht „An-ja“ und winkt. Einfach nur zum dahinschmelzen!

Das war also mein Weihnachtsfest. Anders, aber schön. Euch allen noch schöne Feiertage und ein frohes neues Jahr!

Liebe Grüße 

Anja

03Dezember
2017

Auf der Suche nach den Drachen in den Drakensbergen

Hallo liebe Blogleser, 

Wer mich kennt, weiß, dass Wandern nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist und wird sich jetzt sicher wundern, dass gleich zwei Blogeinträge nacheinander vom Wandern handeln. Mich wundert es ja selbst, aber Südafrika hat soviele Naturreservate, die weltweit für ihre Schönheit bekannt sind, dass man sie einfach erkunden muss, wenn man schon mal hier ist. Dazu gehören auch die Drakensberge. 

Letztes Wochenende haben uns Louisas Eltern besucht und haben uns nach einer kurzen Führung durch iKethelo, und vielen neugierigen Kindern, mitgenommen auf einen Kurzurlaub in die Drakensberge, genauer gesagt in die Nähe des "Amphie Theaters". Also eine Berggruppe, die wegen ihren steilen Felsen aussieht wie ein antikes Amphitheater. Die Autofahrt dauerte ungefähr 3 Stunden und wurde nur von einem Zwischenstopp bei unserem geliebten Mugg&Beans unterbrochen. Doch schon die Anfahrt war aberteuerlich, da es schon früh dunkel wurde und als dann auch noch ein Gewitter aufzog und es in allen Richtungen zu blitzen begann, freuten wir uns sehr als wir dann das Hotel erreichten. Dort haben wir uns dann an einem leckeren Abendbuffet gestärkt und uns bei einer Flasche Wein nett unterhalten. Nach einem langen Tag sind wir dann auch recht früh schon in unsere Betten gefallen. 

Wir drei Mädels haben in einem Cottage gewohnt mit Blick auf das Amphie Theater und sind so direkt mit guter Laune in den Tag gestartet. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Joghurt, Kaffee, Saft, Toast und Waffeln machten wir uns auf dem Weg zum Naturreservat "Royal Natal National Park", in dem wir wanderen wollten. Der Weg war wirklich wunderschön und führte am Fluss Tugela entlang. Manchmal bergauf, dann wieder bergab, durch den Wald und über weite Wiesen. Wir kamen durchaus manchmal ins Schwitzen auch wenn der Weg grundsätzlich gut zu meistern war. Wir legten immer wieder kurze Pausen zum Trinken und Fotos machen ein. Zum Glück war das Wetter gnädig mit uns und so hatte es nur ungefähr 23 Grad und eher bedeckt. Zum Wandern also ideal. 

Die Strecke, die wir uns ausgesucht hatten, sollte ungefähr 12 km lang sein und ca 5 Stunden dauern. Am Ende müsste man noch zwei Leitern erklimmen um dann vom Gipfel des Berges den zweitgrößten Wasserfall der Welt sehen zu können. Allerdings waren wir nach 2 1/2 Stunden noch sehr weit von den Leitern entfernt und sahen in der Ferne bereits dunkle Wolken aufziehen. Als wir uns entgegenkommende Wanderer befragten, wie lange es doch bis zu den Leitern dauern würde, meinten sie, dass wir noch mit mindestens 45 Minuten rechnen müssten und dass auch der Aufstieg nochmal einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Nachdem wir uns kurz beratschlagt hatten, entschlossen wir, dass es uns zu riskant erschien, den dunklen Wolken entgegen zu laufen. Also drehten wir um und machten uns auf den Rückweg. 

Wir hatten Glück und erwischten noch einige Sonnenstrahlen und hatten auch noch genügend Zeit für ein schönes Picknick. Mit vollem Magen wandert es sich doch gleich nochmal so gut! Unser Timing hat auch perfekt gestimmt und wir haben gerade als es angefangen hat zu regnen, das Auto erreicht. 

Auf dem Rückweg haben wir noch an einem Supermarkt gehalten, um uns typisch südafrikanisches Bier für den Abend mitzunehmen. Was uns vom Hotel als Supermarkt beschrieben wurde, war allerdings nur eine kleine, dunkle Hütte, die mit Gitterstäben gesichtert war. Drinnen wurden wir direkt von vielen Augen neugierig angesehen und uns wurde immer "You are so beautiful" und "Yellow bone" nachgerufen. Als "yellow bone"also gelber Knochen werden alle bezeichnet, die helle bzw. hellere Haut haben. Um etwas einkaufen zu können, musste man einer Frau sagen, was man alles will und sie reicht einem durch die Gitterstäbe dann die gewünschten Produkte. So haben wir dann 0.75l Flaschen Bier bekommen für umgerechnet 1,10€. Durchaus ein aufregender Einkauf. Zurück in unserem Hotel haben wir uns dann Kartoffeln, Baked Beans, Spiegelei und Wildwurst gekocht. Leider ging es Louisa's Mama an dem Abend nicht gut und so konnten wir nur zu viert essen. Nach der Wanderung und dem interessanten Einkauf waren wir dann aber auch sehr müde und sind recht früh ins Bett gegangen.  

Am nächsten Morgen durften wir wieder reichlich frühstücken mit Waffeln, Ham and Eggs, Müsli, Joghurt und natürlich viel Kaffee. Als wir noch ein paar letzte Fotos mit dem Amphie Theater im Hintergrund geschossen hatten, war es leider schon wieder Zeit zum Aufbrechen. 

Es war ein wirklich schönes Wochenende und ich möchte mich auch nochmal herzlich bei Louisa's Eltern bedanken, dass sie uns eingeladen haben mitzukommen! 

Vielen Dank auch an alle, die meinen Blog so fleißig lesen und mein Leben hier mitverfolgen. 

Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit 

Anja

 

19November
2017

Die drei Volunteers und die Gefahren der Wildnis

Es waren einmal drei Volunteers. Ihre Namen waren Louisa, Marie und Anja und sie waren richtige Abenteurer. Eines schönen Sommertages im November, hatten sie die Idee eine Wanderung durch das Naturreservat Kranzkloof zu machen. Sie hörten, dass es dort einen riesigen Wasserfall geben soll und dass die Aussicht atemberaubend schön sei. So machten sie sich auf um den geheimnisvollen Ort zu erkunden. 

Die drei mutigen Mädchen packten sich eine gute Jause und eine Picknickdecke in ihre Rucksäcke und machten sich auf den Weg. Nach einer kurzen Autofahrt waren sie am Eingang des Naturreservats angekommen und kauften sich für jeweils 2,20€ eine Eintrittskarte und eine Karte des Geländes, in der alle Routen eingetragen waren. Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden sich die Abenteuerer für eine Kombination aus zwei Routen, die als leicht bzw. mittelschwer beschrieben wurden. 

Der Weg führte sie an einem Schild vorbei, das vor ungesicherten Abhängen und Klippen warnte und auf einen schönen Waldweg, der immer wieder abzweigte und zu schönen Aussichtspunkten führte. Da die Abenteurer immer darauf bedacht waren, ihre Follower auf Facebook und Instagram auf dem Laufenden zu halten, stoppten sie, um einige Erinnerungsfotos zu schießen. Als Marie sich an eine Klippe setzte und ihre Beine in die Tiefe baumeln ließ, murmelte sie: "Wenn das meine Mama sehen könnte..". Auch die anderen beiden Volunteers konnten sich gut vorstellen, wie ihre Mütter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, wenn sie sehen könnten, wie unvorsichtig ihre Töchter waren. 

   

Als alle Fotos geschoßen waren, nahmen sie noch einen großen Schluck Wasser aus ihrer Flasche um sich für den weiteren Weg zu stärken. Und die ersten Schwierigkeiten sollten bald folgen. Nach einer Kurve standen Louisa, Marie und Anja plötzlich vor einem Fluss, der ihren Weg kreuzte. Doch sie waren echte Abenteurer und überwanden dieses Hindernis im Nu. Die Mädchen zogen ihre Schuhe aus und durchquerten den Fluss ohne weiterer Schwierigkeiten.

Doch gerade als sie ihre Schuhe wieder angezogen hatten, erblickten sie einen weiteren Bach der in einen kleinen Wasserfall mündete. Als die Drei erneut ihre Schuhe ausgezogen hatten, sprangen sie ganz einfach über die Steine zur anderen Seite und setzten ihren Weg fort. Aber es dauerte nicht lange und sie erreichten einen steilen Abhang. Vorsichtig um nichts auszurutschen stiegen sie in die Tiefe. Doch es wurde immer steiler und immer rutschiger. Die drei mutigen Volunteers dachten aber gar nicht daran aufzugeben und bahnten sich ihren Weg bergab. Am Fuße des Berges angekommen, gabelte sich der Weg. Auf einem der Wegweiser stand "To the Falls". Also folgten sie dem Weg auf den der Pfeil wies. Wenn sie nur wüssten worauf sie sich da eingelassen hatten.

  

Der Weg führte die Drei entlang eines Flusses. Was die Abenteurer allerdings nicht erwartet hatten, war das Klima das unten am Wasser herschte. Es war unglaublich heiß und feucht und die Volunteers aus Europa waren zwar große Abenteurer, aber nicht an solche Verhältnisse gewöhnt. So wurden sie schnell müde und sehr durstig. Als sie einige Zeit flussaufwärts gegangen waren, entschieden sie eine Rast einzulegen und ihre Jause zu essen. Diese bestand aus einem selbstgemachten Wrap und einem hartgekochten Ei. Dazu tranken sie viel Wasser, da es sehr heiß war. Nach dieser Stärkung machten sie sich wieder auf den Weg um den Wasserfall möglichst schnell zu erreichen.

Doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis sie zu ihrem Ziel gelangten und so ging es weiter über Steine und durch dichtes Gebüsch. Die drei Abenteurer kletterten über Felsen und sprangen über Bäche oder liefen direkt im Fluss weiter.

Immer wieder waren sie sich nicht sicher, ob sie noch auf dem richtigen Weg waren. Doch nach einer langen und anstrengenden Reise kamen sie doch noch am Wasserfall an und der Ausblick war wirklich wunderschön.

 Als sie eine Zeit gerastet hatten und wieder Kraft geschöpft hatten, viel ihnen auf, dass ihre Wasserflaschen bereits fast leer waren. Doch es lag ja noch der weite Rückweg vor ihnen! Also beschlossen sie sich Wasser aus dem Wasserfall zu holen, da sie wussten, dass sie den anstrengenden Rückweg niemals ohne Wasser schaffen konnten. Anja kletterte über einige sehr rutschige Felsen, um herauszufinden, ob es möglich ist, bis zum Wasserfall zu kommen.  Und es war möglich! Also füllten sie ihre Wasserflaschen auf und entspannten ihre Füße im kühlen Nass.

Nach einiger Zeit meinte Louisa: "Wir sollten besser aufbrechen! Es ist schon recht spät und wir haben noch einen weiten Weg vor uns!" Also packten sie ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Rückweg. 

Zurück der Weg schon viel schneller, da sie bereits wussten wohin sie gehen mussten. Doch auch diesmal verlief nicht alles nach Plan. Der Weg führte nämlich über einen großen Felsen, den die Mädchen erklimmen mussten. Als Louisa sich an einer Wurzel festhalten wollte, um sich hochzuziehen, schrie Marie plötzlich: "Pass auf! Eine Spinne!" Jetzt schrie auch Louisa, da beide große Angst vor Spinnen haben. Anja seufzte nur, da sie das Spinnenproblem der beiden bereits kannte und versuchte, sie dazu zu bringen einfach über die Spinne drüber zu steigen und weiterzugehen. Die beiden Angsthasen folgten ihrer Aufforderung, wenn auch unter viel Gekreische und Protest. Als dieses Hindernis auch überwunden war, konnte es weitergehen. 

Das nächste Problem stellte allerdings der steile Abhang dar, der die Drei zuvor hinuntergehen mussten, denn jetzt wurde es Zeit den ganzen Berg wieder hochzuklettern. Mit Marie an der Spitze und Anja als Schlusslicht erklommen sie im Schneckentempo und mit vielen Pausen zum Trinken und zu Atem kommen den Berg. Gerade als sie einen Rettungshubschrauber ernsthaft in Betracht zogen erreichten sie endlich de Ende des Hangs. Oben angekommen machten sie eine Rast an dem Fluss, den sie beim Hinweg überquert hatten und versuchten jemanden zu erreichen, der sie abholen könnte. Leider mussten sie feststellen, dass sie keinen Empfang hatten. 

Nach einer weiteren halben Stunde, diesmal nur geradeaus, ohne bergauf und bergab, waren sie endlich am Ausgangspunkt angekommen. Todmüde setzten sie sich auf eine Bank und überlegten, wie sie jemanden erreichen könnten, der sie wieder abholen könnte. Glücklicherweise fanden sie einen Mann, der ihnen ein Handy leihen konnte. So konnten sie zuhause Bescheid geben und wurden abgeholt. 

Nach diesem Tag wollten die Drei einfach nur noch unter die Dusche und entspannt einen Film schauen. Das war wirklich genug Abenteuer für einen Tag! 

Doch die Idee mit dem Trinken vom Wasserfall erwies sich eher als ungünstig und so lagen alle drei ein paar Tage später mit Bauchschmerzen im Bett bzw. hingen über der Kloschüssel. Zum Glück ging es ihnen bald wieder besser und sie konnten über ihre Dummheit lachen. 

Das war also die Geschichte unserer ersten Wanderung in Afrika. Ich hoffe, ich konnte euch unterhalten und ihr seid vorsichtiger, falls ihr auch mal vorhabt in einem fremden Land wandern zu gehen. 

Alles Liebe, 

Eure Anja 

07November
2017

Lustiges aus dem Alltag

Sawubona und Hallo,

heute kommt ein neuer Blogeintrag und mir ist gerade aufgefallen, dass ich jetzt schon 2 Monate hier bin. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich hab mich immer mehr eingewöhnt und die Aufgaben, die anfangs schwer und überfordernd waren, sind jetzt Alltag. Manche Dinge werden allerdings nie alltäglich werden und das sind die Kinder und die witzigen, aber auch traurigen oder berührenden Geschichten, die man mit ihnen erlebt. Um euch die Gefühlsachterbahn zu ersparen, werde ich heute nur die lustigen und amüsanten Geschichten erzählen und mir die Traurigen für einen anderen Blogeintrag aufheben.  Also wenn ihr heute weint, dann hoffentlich nur vor lachen. Ich darf aus Datenschutzgründen leider die Namen der Kinder nicht veröffentlichen, also werde ich nur Alter und Geschlecht bzw. Anfangsbuchstaben verwenden. Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

  • Eines Tages klopfte einer der Teenager-Jungs (19) an die Tür unseres Cottages. Zuerst entschuldigte er sich für die Störung um danach eine Frage zu stellen, über die wir immer noch lachen: „Do you have Plasticbread?“ Logischerweise waren wir alle sehr verwirrt, was er von uns will. Wir fragten also nach um herauszufinden, was in aller Welt „Plasticbread“ sein soll. Als wir auch nach dem 10.Mal fragen noch nicht kapiert hatten, was er will, rannten wir durchs ganze Haus und zeigten ihm alles aus Plastik was wir finden konnten. Bretter, Tüten, Frischhaltefolie, Tupperdosen, Schüsseln,… Irgendwann hat er aufgeben uns zu erklären, was er will und hat sich nochmals für die Störung entschuldigt und ist dann gegangen. Auch wenn wir immer noch nicht rausgefunden haben was das ominöse Plastikbrot sein soll, müssen wir immer noch jedes Mal grinsen, wenn er vor unserer Tür steht.
  • Woran wir uns auch gewöhnen müssen, sind die neugierigen Fragen zu unserer Hautfarbe. Eines der kleinen Mädchen in der Krippe (3) zum Beispiel, hat verzweifelt versucht meine Muttermale abzuwaschen um am Ende kopfschüttelnd festzustellen, dass meine Hände wohl einfach „dirty“ sind. Die Auntie und ich hatten unseren Spaß zuzusehen wie entrüstet sie darüber war, dass diese braunen Punkte einfach nicht weggewaschen werden können.
  • Aber nicht nur meine Muttermale sind höchst verwirrend, sondern auch die Tatsache, dass man meine Adern durch meine Haut durchsehen kann. Als ich eines Tages mit mehreren Kindern (7-12) auf dem Trampolin sprang, haben sie sehr interessiert meine Hände angeschaut und sind fast ausgeflippt, als sie blaue Striche auf meinem Handgelenk gefunden haben. Sie sind sofort zu Louisa gerannt um zu sehen, ob sie auch so „krank“ ist wie ich. Als ich ihnen die Adern auf ihren eigenen Händen gezeigt habe, haben sie sich beruhigt, waren aber immer noch nicht ganz überzeugt, dass mit mir alles stimmt. Immerhin kann bei ihnen keine blauen Striche sehen, das kann doch nicht normal sein. 
  • Eine kleine, kurze Geschichte, mit der wir Louisa immer wieder aufziehen: Ein kleines Mädchen (6) nennt sie „Loser“ statt Louisa und ruft dann durchs ganze Dorf „LOOOOOOSER“, wenn sie Louisa sieht.
  • Die Kinder in der Krippe (2-3) können leider noch nicht so gut Englisch und deswegen ist es immer wieder schwer sich mit ihnen zu verständigen. Was sie aber können, ist singen. Auch wenn die Texte manchmal leicht abgeändert werden. So hört man manchmal lautstark: „SHAKE YOUR BUTT HALLELUJA“.  Vor kurzem haben wir herausgefunden, dass es sich um ein christliches Kinderlied handelt und der Text eigentlich „Shake your BODY Halleluja - come on and praise the Lord“ heißt. Naja so bekommt das Ganze doch eine etwas andere Bedeutung.
  • Was die Kleinen ebenfalls noch nicht so ganz können ist der Unterschied zwischen Auntie und Uncle. Zuerst haben sie immer Auntie Graham gesagt, bis wir ihnen erklärt haben, dass es Uncle Graham heißen muss, weil er ein Mann ist. Einige Minuten später haben sie dann Uncle Tami gewunken, die eigentlich Auntie Tami wäre. Wir hoffen, dass sie früher oder später einen Unterschied zwischen Männern und Frauen erkennen können, aber bis dahin haben wir unseren Spaß.
  • Wir haben auch ein Baby hier, das vor einigen Wochen 1 Jahr alt geworden ist. Wir haben ihr beigebracht zu winken und das hat sie auch recht schnell verstanden. Das Konzept, dass man Menschen winkt um Hallo oder Tschüss zu sagen, ist für sie aber nicht besonders logisch und so winkt sie einfach allem. Zum einen Katzen und Vögeln, zum anderen aber auch Bäumen und Häusern oder auch einfach so. Zwar nicht ganz der Sinn der Sache, aber süß ist es auf jeden Fall.
  • Die nächste Geschichte ist zwar nicht mit den Kindern passiert, sondern mit zwei von den Aunties, aber sie war trotzdem sehr lustig. An einem Abend haben wir noch eine kurze Runde draußen gedreht um alles abzuschließen und dann kamen uns zwei Aunties entgegen. Eine hysterisch lachend und die andere weinend. Sehr verwirrt fragten wir nach was passiert sei, da sie fast betrunken wirkten. Anscheinend ist ein Frosch vor dem Haus der einen Auntie und Zululeute haben aus irgendeinem Grund panische Angst vor Fröschen. Wir haben also unsere Hilfe angeboten und haben den Frosch mit einem Besen verjagt.Danach Die Auntie rannte wie wahnsinnig in ihr Haus, knallte die Tür zu und schloss innerhalb einer Sekunde ab. Ich habe noch nie eine Auntie rennen geschweige denn sprinten sehen. Sie dürfte also wirklich panische Angst gehabt haben. Wir und die anderen Aunties fanden es allerdings sehr sehr witzig.
  • Zum Schluss noch ein kleine Geschichte, die zeigt, dass ich für die Kinder wohl etwas älter aussehe als ich bin. Ich habe mich mit ein paar Burschen (10-12) darüber unterhalten warum manche Frauen sich schminken und warum ich mich nicht jeden Tag schminke. Als ich ihnen erklärt habe, dass ich mich hier nur für besondere Anlässe schminke, fragte einer." Also für deinen Ehemann?" Daraufhin habe ich sie raten lassen, wie alt ich bin und  die Antwort lag zwischen 23 und 26. Auch Louisa wurde gefragt ob sie eigentlich mit ihrem Mann zusammen wohnt, weil sie doch einen Ring trägt. Dass wir alle noch nicht verheiratet sind, weil ich erst seit ein paar Monaten 18 bin, ist ihnen gar nicht in den Sinn gekommen. 

So, das waren mal einige der witzigsten Geschichten, die uns passiert sind. Ich hoffe, ich konnte auch den ein oder anderen von euch zum Schmunzeln bringen. Ich wünsch euch noch einen schönen Tag und liebe Grüße!

Anja 

25Oktober
2017

Neues Leben - neue Haare

Hallo liebe Blogleser, 

Es kennen sicher viele von euch den Spruch: "Eine Frau, die ihre Frisur ändert, ist dabei ihr Leben zu ändern." Ich habe darüber schon öfter nachgedacht und für mich entschieden, dass es für mich auch anders herum gilt. "Wenn eine Frau ihr Leben ändert, wird sie auch ihre Haare ändern." 

Wer mich kennt, der weiß, dass ich schon viele Haarfarben und verschiedene Frisuren ausprobiert habe, daher war es für mich etwas schwieriger etwas zu finden, das für mich ganz neu und außergewöhnlich ist. Doch da ich meine Frisur an mein neues Leben anpassen wollte, habe ich mich auch an meinem neuen Umfeld und der dazugehörigen Kultur orientiert. Schwarze Frauen tragen hier zum Großteil Perücken oder Braids, da es Jahrzehnte dauern kann, bis ihre eigenen Haare richtig lang werden. Und da vor allem Braids typisch afrikanisch sind, habe ich mich dazu entschlossen, diese Frisur selbst auszuprobieren und euch von meinen Erfahrungen zu erzählen. 

Zunächst eine kurze Erklärung was Braids eigentlich sind. to braid bedeutet einfach flechten. Und genau daraus besteht auch die ganze Frisur: aus 50-100 kleinen Zöpfen bei denen Kunsthaare in die echten eingearbeitet werden. 

Ich habe das Kunsthaar in einer Drogerie gekauft, die eine Haarabteilung hat, in der man Extentions in vielen unterschiedlichen Längen, Farben und Preisklassen kaufen kann. Auf Empfehlung meiner Begleitung habe ich mich für ein dunkles Braun entschieden und für 6 Packungen ca. 8€ bezahlt. Das Flechten hat ein Mädchen hier im Kinderdorf übernommen. Sie hat fast allen Mädchen hier die Haare gemacht und sogar ihre eigenen Braids. Für die ganze Frisur habe ich insgesamt nur ca 15€ bezahlt. Da es aber echt viel Arbeit war, habe ich 5€ Trinkgeld draufgelegt. 

Das Flechten funktioniert so, dass eine Strähne des Kunsthaars um das Echte gewickelt wird und dann beides miteinander verflochten wird. Viele der Mädchen hatten es als sehr schmerzhaft beschrieben und saßen gespannt um mich herum und haben auf mein schmerzverzerrtes Gesicht bzw. Tränen gewartet.  Ich muss aber sagen, dass sich die Schmerzen bei mir sehr in Grenzen gehalten haben. Angenehm ist zwar etwas anderes, aber ich habe auch schon Schlimmeres erlebt. 

Nach 7 Stunden und einigen Filmen war es dann endlich soweit und meine neue Frisur war fertig. Das erste Mal aufstehen, war ein ziemlicher Schock, da die Kunsthaare unglaublich schwer sind und ich gar nicht genau wusste, wie ich mit der ganzen Haarpracht umgehen sollte. Auch die erste Nacht war ziemlich unangenehm, da die Zöpfe am Ansatz sehr hart waren und gedrückt haben. So schlimm wie es mir vorher beschrieben wurde, war es allerdings auch wieder nicht. 

Am nächsten Morgen stand ich vor der nächsten Herausforderung. Für die Arbeit mit den Kindern wollte ich meine Haare nämlich gerne zusammenbinden. Daran bin ich allerdings kläglich gescheitert, da ich die ganzen Zöpfe nicht mit einer Hand zusammenhalten konnte und ein Haargummi rundherum schlingen erstrecht nicht.  Mit der Hilfe von Louisa, meiner Mitbewohnerin, ist es mir dann doch gelungen. Auch im Laufe des Tages fielen mir immer wieder lange Zöpfe über die Schulter und ins Essen.  Nach einigen Tagen hatte ich mich allerdings daran gewöhnt und die neue Frisur begann mir richtig gut zu gefallen. 

Das ganze hat sowohl Nachteile als auch Vorteile. Ein Vorteil ist zum Beispiel, das das ständige Haarewaschen und Pflegen wegfällt und das Duschen bedeutend schneller geht. Außerdem kann man morgens aus dem Bett rollen und die Haare sitzen bereits perfekt und man spart sich einiges an Zeit mit verzweifelten Versuchen die Haare einigermaßen gut aussehen zu lassen, obwohl man gerade erst aufgestanden ist. 

Einer der größten Nachteile ist allerdings, dass einen die juckende Kopfhaut früher oder später in den Wahnsinn treibt. Nach 4 Wochen war es bei mir so schlimm, dass ich immer wieder blutige Stellen an meiner Kopfhaut gefunden habe, da sie so sehr ausgetrocknet und durch die ständige ungewohnte Belastung stark beeansprucht war. Da habe ich beschlossen, dass es genug ist und habe sie kurzerhand alle Zöpfe abgeschnitten und aufgemacht. Auch das hat über eine Stunde gedauert. Danach waren meine Haare aber voluminös wie noch nie! 

Ein netter Nebeneffekt ist, dass meine Haare sich durch die lange Zeit ohne richtiges Waschen daran gewöhnt haben und jetzt fast 5 Tage lang kaum fettig werden und ich sie jetzt nur noch 1-2 Mal in der Woche waschen muss statt alle zwei Tage. 

Mein Fazit ist: Definitv ein Erlebnis für sich und eine Frisur, die ich weiterempfehlen würde. Auf die Dauer werden die Braids bei Europäern, mit so dünnen und weichen Haaren wie meinen, leider nicht halten. Ich habe aber viele Komplimente bekommen und wurde auch in einer Shopping Mall angesprochen. Es war natürlich kein Vergleich zu den Afrikanerinnen, aber es hat mir trotzdem sehr gut gefallen. 

So sah die Frisur am Ende aus Die Zöpfe gingen mir über den ganzen Rücken Meine Haare nachdem ich sie wieder aufgemacht hatte

Vielen Dank für's Lesen! Mittlerweile ist hier schon so sehr der Alltag eingekehrt, dass ich gar nicht merke wie die Wochen vergehen, ohne dass ich einen neuen Blogeintrag geschrieben habe. Umso mehr freue ich mich über alle, die regelmäßig vorbeischauen. 

Liebe Grüße und alles Liebe, 

Anja 

16Oktober
2017

Endlich Ferien

Hallo ihr Lieben, 

Jetzt habe ich schon längere Zeit nichts mehr geschrieben und deswegen kommt hier ein kleines Update wie hier alles läuft. Ich hatte mich schon recht gut an den Alltag gewöhnt, an die Schule und die Hausübungen. Doch die Kinder haben schon sehnsüchtig auf die Ferien gewartet und letzte Woche war es dann endlich soweit und alle hatten eine Woche frei. 

Ferien bedeuten allerdings, dass rund um die Uhr 50 Kinder draußen rumrennen, schreien, spielen und beschäftigt werden wollen. Also haben die beiden anderen Volunteers und ich uns einige Aktivitäten überlegt, damit die Kleinen nicht stundenlang nur am Computer sitzen. Wir haben unter anderem Dosen bemalt und Bilder mit unseren Anfangsbuchstaben gebastelt, die allen viel Spaß gemacht haben. Am Nachmittag waren wir dann Fußball spielen oder haben eine Schnitzeljagd vorbereitet. Und wir haben eine interessante Entdeckung gemacht. Es lässt sich nämlich ein mathematischer Term aufstellen mit dem die Begeisterung der Kinder beschrieben werden kann. Zuerst dachten wir, dass Computerspielen über allem steht, aber da haben wir uns dann doch geirrt: 

Basteln < Fußball < Handy < Computer < Schwimmen

Als wir nämlich erwähnten, dass es heute doch auch warm genug wäre um im Pool auf der Terrasse der Manager schwimmen zu gehen, war der Computerraum wie vergessen. Also sind wir an einem Nachmittag zuerst mit den Jungs und dann mit den Mädchen schwimmen gegangen und ich denke, das war eins der Highlights der Woche.  Vor allem weil es auch viel geregnet hat, da hier ja gerade Frühling ist und das Wetter noch recht wechselhaft ist und zwischen 12 und 32°C schwankt.

Hier sind noch einige Fotos der letzten Woche: 

 

Falls jemand von den Überschwemmungen in Durban gehört hat, kann ich Entwarnung geben! Hier im Kinderdorf, oben auf dem Berg sind wir sicher und uns ist nichts passiert. In Durban sind allerdings teilweise Leute auf der Straße auf den Dächern ihrer Autos festgesteckt.

Vielen Dank fürs Lesen, auch wenn dieser Eintrag etwas kürzer geworden ist. Wir haben zurzeit immer wieder Probleme mit dem Strom und so hatten wir die letzten Tage weder Licht noch Internet. Da ist es natürlich schwierig einen Blogeintrag hochzuladen, wenn man den Computer nicht mal einschalten kann ohne Strom ;-)

Liebe Grüße und alles Liebe

Anja 

 

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