Mein Auslandsjahr - Südafrika

iKethelo Children's Village

06Januar
2018

Silvester in Kapstadt

Hallo liebe Blogleser, 

 Erstmal Frohes neues Jahr und willkommen zu einem neuen Blogeintrag! Heute aus Kapstadt wo ich Silvester und das neue Jahr verbringe. Da wir 4 Tage hier waren, wird das eher ein langer Eintrag - nur so als kleine Vorwarnung! Und jetzt viel Spaß mit meinen Erlebnissen und Erfahrungen in der westlichsten Stadt Südafrikas. 

Unsere Reise beginnt am Flughafen in Durban, der so klein ist, dass es nur ca 20 Gates gibt und so haben wir keine Schwierigkeiten uns zurechtzufinden. Nach einem Flug von ca 2 Stunden landen wir und sind endlich in Kapstadt. Von einem Uber (ein Taxi, das über eine App gerufen wird) lassen wir uns in unser Apartment bringen und genießen dort erstmal den wunderschönen Ausblick über das Meer. 

Nach einer halben Stunde kommen auch die anderen Mädchen an mit denen wir uns das Haus teilen, die von der selben Organisation wie Louisa und Marie nach Südafrika gekommen sind. Zusammen einigen wir uns dann wer, mit wem und wo schläft und ich habe das Glück das schönste Zimmer von allen mit eigenem Balkon zu bekommen. Nachmittags machen wir uns dann auf den Weg zum Strand und schauen uns einen kleinen Food Market an und verbringen einen schönen ersten Abend in Kapstadt. 

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und machen uns auf den Weg in die Innenstadt von Kapstadt um dort in einer der typischen roten Touri-Busse zu steigen. Den Tag wollen wir nämlich mit Sight-Seeing verbringen und man kann ja kaum nach Kapstadt fahren, ohne am Kap der guten Hoffnung gewesen zu sein. 

Zuerst fahren wir an den Cape Point, also den südlichsten Punkt des Kaps. Dort laufen wir hinauf zu einem der ältesten Leuchttürme und machen Erinnerungsfotos. Dort kann man auch das Denkmal Vasco da Gamas sehen, der als erster Europäer das Kap erreichte. Nach diesem ersten Stop nutzen wir die Gelegenheit und wanderten um das Kap herum zu dem Punkt wo sich atlantischer und indischer Ozean treffen.

Auch wenn viele Menschen behaupten, sie könnten eine Linie sehen, wo die beiden Ozeane sich berühren, sieht man in Wirklichkeit "nur", dass Wellen aus zwei verschiedenen Richtungen auf die Küsten zukommen. Trotzdem sehr beeindruckend und wirklich wunderschön. Nachdem wir auch hier viele Fotos gemacht hatten, ging es mit dem Bus weiter zum Boulder's Beach an dem die afrikanischen Pinguine oder auch Brillenpinguine leben. 

Zwar war es sehr witzig die süßen Tiere in einem total untypischen Umfeld zu beobachten, aber am Ende waren wir uns alle einig, dass dieser Ort viel zu touristisch ist und man durch die vielen Menschen eher das Gefühl hatte in einem Zoo zu sein, als die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. 

Als wir nach diesem schönen Tag wieder in Kapstadt angekommen waren, sind wir noch alle gemeinsam essen gegangen und sind danach todmüde ins Bett gefallen. 

Am nächsten Morgen haben wir uns dann nach einem entspannten Frühstück wieder auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Diesmal allerdings haben wir den Zug ausprobiert, der uns immer wieder als gefährlich beschrieben wurde, vor allem nachts. Tagsüber mit vielen Leuten sollte es allerdings kein Problem sein. Und so kauften wir uns ein Ticket für ca 80c und fuhren eine Stunde in die Stadt. Wir wurden natürlich angestarrt, weil kaum ein anderer Weißer hier mitfährt, aber außer, dass zwischendurch die Tür einfach offenstand, war das alles kein Problem. 

In der Stadt angekommen, haben wir uns die bunten Häuser der früheren Sklaven angesehen, die heute eine große Attraktion sind.Ein wirklich wunderschönes Viertel der Stadt- komplett in Regenbogenfarben gestrichen.

Danach haben wir uns die Waterfront angesehen und in einem coolen Foodmarket eine Pizza, eine Waffel und einen Shmoothie geholt - man gönnt sich ja sonst nichts ;). Da es ja der 31.Dezember, also Silvester war, haben wir abends einen netten Cocktail und ein gutes Abendessen in einem sehr netten mekanischen Restaurant gegessen und haben auf ein gutes Ende von 2017 angestoßen. In einer kleinen Cocktailbar konnte man sich an einer modernen Juke-Box Musik wünschen und so haben wir mit dem ganzen Lokal und allen Gästen Macarena getanzt. 

 

Als wir uns gerade auf den Weg zu einem netten kleinen Eisladen gemacht hatten, begann es plötzlich zu schütten, wie ich es hier lange nicht mehr erlebt habe. Wir hatten natürlich alle nur unsere Sommersachen an und kamen komplett durchnässt am Eisgeschäft an. Das hat uns nicht davon abgehalten ein leckeres Eissandwich und Cookies zu essen. So ein Pech muss man erstmal haben! Kapstadt steckt gerade in der schlimmsten Dürre der letzten 100 Jahre und genau zu Silvester muss es schütten! 

Wir haben uns allerdings nicht die Laune verderben lassen und haben entschieden, dass wir wieder zur Waterfront fahren und dort mit gefühlt allen anderen Touristen das Feuerwerk anzuschauen. Komplett durchgefroren haben wir also die letzten Sekunden von 2017 runtergezählt und dann das wunderschöne Feuerwerk anzusehen und so 2018 zu begrüßen. Danach machten wir uns auf den Weg zurück auf die Longstreet, die Haupteinkaufs-und Restaurantsstraße. Zum Glück hatten wir unser Geld und unsere Handys in unseren BH's versteckt, denn immer wieder spürten wir wie jemand, wie zufällig, seine Hände in unseren Taschen hatte. In einem coolen Bierlokal mit Tanzfläche haben wir dann die ersten Stunden des neuen Jahres verbracht. Mit Blick auf den Sonnenaufgang über dem Meer sind wir dann sehr zufrieden eingeschlafen. 

Am nächsten und leider auch schon letzten Tag in Kapstadt haben wir erstmal lange geschlafen und haben uns dann den Nationalpark von Kirstenbosch angesehen. Mit den wunderschönen Gärten und dem Tree-Top Weg war dieser auf jeden Fall einen Besuch wert und bei einem entspannten Picknick mit Blick auf die Berge hatten wir nochmal Zeit zu entspannen. 

Abends haben wir gekocht und uns bei einem guten Glas Wein gegenseitig von den Projekten erzählt, in denen wir arbeiten. Es hat gut getan sich austauschen zu können und von Problemen, der anderen zu hören, hat uns geholfen unser Kinderdorf noch mehr wertzuschätzen. Ich hab mich gefreut, diese lieben Mädchen kennenzulernen und zu hören was sie so in Südafrika erleben. 

Am nächsten Morgen, unserem Abreisetag, hat mich Marie mit folgenden Worten geweckt:" Anja, ich habe eine ganz tolle Idee". Klingt schon mal eher verdächtig. Ihre Idee war nochmal schnell runter zum Strand zu gehen und ein morgendliches Bad im Atlantik zu nehmen. Nachdem ich mich lange geweigert habe, hab ich dann doch nachgegeben und so sind wir noch schnell im eiskalten Wasser schwimmen gegangen, aber wir haben wenigstens noch ein Foto von den berühmten bunten Strandhäusern von Muizenberg machen können. 

Nach dem Frühstück wurde es dann Zeit zum Abschied nehmen und in den Bus zu steigen, der uns nach Durban zurück bringen sollte. Über 22 Stunden sollte das dauern und wir hatten so gar keine Lust darauf. 

Mittlerweile sind wir aber gut angekommen und schauen auf eine wunderschöne Zeit in Kapstadt zurück. Marie und ich planen auf unserer Rundreise durch Südafrika nochmal wieder zu kommen um diese besondere Stadt noch besser kennenzulernen. 

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen mehr von Südafrika zeigen und Bilder sagen sowieso mehr als Worte. 

Liebe Grüße und ein frohes neues Jahr!

Anja 

28Dezember
2017

Merry Christmas - wie man Weihnachten bei 37 Grad feiert

Hallo ihr Lieben,

Erstmal frohe Weihnachten! Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Fest und eine gute Zeit mit Freunden und Familie und habt euch gut erholt.

Für mich war Weihnachten dieses Jahr ganz anders als ich es gewohnt bin. Hier ist nämlich gerade Sommer und so feiert man eher in Shorts und unter Palmen als eingekuschelt vorm Kamin. Außerdem wird Weihnachten hier am 25. Dezember, also am Weihnachtsmorgen gefeiert. Da hier alles etwas anders ist, als ich und ihr wahrscheinlich auch, es kennt, werde ich euch in diesem Blogeintrag von meinen beiden Weihnachtstagen erzählen.

Am 24. Dezember kamen morgens Louisas Eltern zu uns und wir haben gemeinsam gefrühstückt und die 4. Kerze am Adventskranz angezündet. Danach haben wir uns mit viel Sonnencreme und unseren Bikinis ausgerüstet und haben uns auf den Weg nach Durban gemacht. Dort haben wir den bekannten Viktoria Street Market besichtigt, auf dem vor allem viel Schmuck aus Perlen im Zulu-Style und Gewürze kaufen konnte. Am besten hat uns das Chili-pulver namens „Schwiegermutters Höllenfeuer“ gefallen. Außerdem habe ich mir Ohrringe für umgerechnet 60 Cent gekauft. Ein kleines Weihnachtsgeschenk an mich selbst.

Als wir uns an der ganzen Holzkunst und dem Perlenschmuck sattgesehen und unsere Nasen keinen Curry- und Chilliduft mehr aufnehmen konnten, entschieden wir uns der größten Moschee der südlichen Halbkugel einen Besuch abzustatten. Doch als wir uns endlich in die langen Hosen und Jacken, die Vorschrift sind, gequält hatten, mussten wir leider feststellen, dass die Moschee geschlossen hatte. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zum Strand. Als wir so in der Sonne lagen, mussten wir feststellen wie seltsam es ist, zu wissen, dass die Familie zuhause gerade alles für den heiligen Abend vorbereitet und wir hier am Strand liegen. Hätte uns vor einem Jahr jemand gefragt, was wir dieses Jahr zu Weihnachten machen, hätten wir wohl niemals geantwortet, dass wir am Strand in Südafrika liegen. Wir haben auch das coolste Fast-Food-Restaurant der Welt gefunden. Wimpy ist hier so ähnlich wie McDonalds bei uns und hier gibt es eine Filiale mit einem Pool und Meerblick. Wirklich eine coole Idee.

Abends wollten wir in einem indischen Restaurant essen gehen, das uns ein Reiseführer empfohlen hatte. Nachdem wir aber fast eine Stunde herum gefahren sind, ohne das Restaurant zu finden, entschieden wir in einem kleinen süßen Italiener zu Abend zu essen. Bei einem guten Glas südafrikanischem Wein hatten wir einen wirklich schönen Abend. Als wir wieder zuhause angekommen waren, war noch etwas Zeit zum Skypen mit der Familie und dann war der 24. auch schon wieder vorbei.

Richtig Weihnachten gefeiert haben wir hier im Dorf dann am 25.Dezember. Da es hier Tradition ist morgens zu feiern, sind wir mit einem kurzen Gottesdienst mit Blick auf die Berge, in den Tag gestartet.

Danach war es endlich Zeit für Geschenke. Dazu sind wir ins Cottage 5 gegangen und jedes Kind hat einige Päckchen überreicht bekommen. Viele Geschenke haben genau ins Schwarze getroffen, wie zum Beispiel die schwarze Babypuppe und ein Prinzessinnen-Outfit für unser Dreijähriges Mädchen. Auch die coolen Spiderman- und Batman-Rucksäcke für unsere Vorschulkinder waren ein Highlight. Die Kinder zwischen 9 und 14 haben, dank einer großzügigen Spende, eigene Armbanduhren bekommen und erzählen jetzt stolz allen, egal ob sie es hören wollen oder nicht, wie spät es gerade ist. Die Burschen haben alle ihren eigenen Fußball bekommen, damit es endlich keine Streitereien mehr gibt, wer wessen Ball geklaut hat. 

Und habt ihr eure Geschenke schon entdeckt?  

Ein besonderes Geschenk konnte ich den Kindern dieses Jahr dank der Hilfe meiner Gemeinde, der Moga, machen. Vor einigen Monaten ist der gemeinsame Fernseher des Dorfes kaputt gegangen und dadurch auch ein bisschen der gemeinsame Raum für alle um zusammen zu kommen. Die Moga hat Spenden für das Dorf gesammelt für Aktivitäten während der Ferien und da soviel zusammen gekommen ist, hatten wir nicht nur die Möglichkeit tolle Ausflüge zu machen, sondern auch noch den Mittelpunkt in unser „Wohnzimmer“ zurück zu bringen. Ich denke, wir konnten den Kindern damit eine große Freude machen und wieder einen Platz schaffen, an dem alle Altersgruppen zusammen kommen können um einen Film zu schauen oder sich Fußball-Battles auf der Playstation zu liefern. Es ist auch einfach schön zu sehen, wie wirklich alle gerne Zeit miteinander verbringen, wenn Raum dafür ist.

Nachdem alle Geschenke ausgepackt, bestaunt und ins Cottage gebracht wurden, wurde das Essen vorbereitet.  In der Schoolhall haben die Tische festlich dekoriert und die Aunties haben typisches Zulu-Essen gebracht. Besonders cool fand ich auch die Christmas-Cracker. Die sehen aus wie große Bonbons aus Papier und wenn man an beiden Seiten zieht, knallt es kurz und dann kann man meistens eine Papierkrone, einen kleinen Zettel mit einem Witz und ein kleines Geschenk, in meinem Fall einen rosa Plastikring auspacken. 

  

Die Stimmung und das Essen war gut, aber leider herrschte Uneinigkeit darüber, wie der Nachmittag aussehen sollte und so wurde alles sehr stressig, da wir alles sofort aufräumen sollten, statt uns Zeit zu lassen und Weihnachten richtig feiern zu können. Auch die Nachspeise wurde eher schnell runtergeschlungen als in gemütlichem Umfeld genossen. Das hat mir das Weihnachtsfest leider etwas kaputt gemacht.

Nachdem dann alles im Eiltempo aufgeräumt wurde, hatten wir am Nachmittag viel Zeit um den neuen Fernseher mit einem großen Fifa-Fußballmatch gebührend einzuweihen. Abends haben wir uns dann nochmal extra mit den Teenagern Zeit genommen um einen Weihnachtsfilm zu schauen und den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Auch wenn ich sagen muss, dass mir unsere Art zuhause Weihnachten zu feiern besser gefällt, war es eine schöne Erfahrung und vor allem war es schön den Kindern beim Auspacken zuzusehen und die Freude über die vielen tollen Geschenke zu spüren.  Ein persönliches Highlight für mich war dieses Weihnachten auch, dass unsere Jüngste, die gerade angefangen hat zu sprechen, meinen Namen sagen kann. Sie hat den anderen Kindern wohl zugehört und jetzt ruft sie immer wenn sie mich sieht „An-ja“ und winkt. Einfach nur zum dahinschmelzen!

Das war also mein Weihnachtsfest. Anders, aber schön. Euch allen noch schöne Feiertage und ein frohes neues Jahr!

Liebe Grüße 

Anja

03Dezember
2017

Auf der Suche nach den Drachen in den Drakensbergen

Hallo liebe Blogleser, 

Wer mich kennt, weiß, dass Wandern nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist und wird sich jetzt sicher wundern, dass gleich zwei Blogeinträge nacheinander vom Wandern handeln. Mich wundert es ja selbst, aber Südafrika hat soviele Naturreservate, die weltweit für ihre Schönheit bekannt sind, dass man sie einfach erkunden muss, wenn man schon mal hier ist. Dazu gehören auch die Drakensberge. 

Letztes Wochenende haben uns Louisas Eltern besucht und haben uns nach einer kurzen Führung durch iKethelo, und vielen neugierigen Kindern, mitgenommen auf einen Kurzurlaub in die Drakensberge, genauer gesagt in die Nähe des "Amphie Theaters". Also eine Berggruppe, die wegen ihren steilen Felsen aussieht wie ein antikes Amphitheater. Die Autofahrt dauerte ungefähr 3 Stunden und wurde nur von einem Zwischenstopp bei unserem geliebten Mugg&Beans unterbrochen. Doch schon die Anfahrt war aberteuerlich, da es schon früh dunkel wurde und als dann auch noch ein Gewitter aufzog und es in allen Richtungen zu blitzen begann, freuten wir uns sehr als wir dann das Hotel erreichten. Dort haben wir uns dann an einem leckeren Abendbuffet gestärkt und uns bei einer Flasche Wein nett unterhalten. Nach einem langen Tag sind wir dann auch recht früh schon in unsere Betten gefallen. 

Wir drei Mädels haben in einem Cottage gewohnt mit Blick auf das Amphie Theater und sind so direkt mit guter Laune in den Tag gestartet. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Joghurt, Kaffee, Saft, Toast und Waffeln machten wir uns auf dem Weg zum Naturreservat "Royal Natal National Park", in dem wir wanderen wollten. Der Weg war wirklich wunderschön und führte am Fluss Tugela entlang. Manchmal bergauf, dann wieder bergab, durch den Wald und über weite Wiesen. Wir kamen durchaus manchmal ins Schwitzen auch wenn der Weg grundsätzlich gut zu meistern war. Wir legten immer wieder kurze Pausen zum Trinken und Fotos machen ein. Zum Glück war das Wetter gnädig mit uns und so hatte es nur ungefähr 23 Grad und eher bedeckt. Zum Wandern also ideal. 

Die Strecke, die wir uns ausgesucht hatten, sollte ungefähr 12 km lang sein und ca 5 Stunden dauern. Am Ende müsste man noch zwei Leitern erklimmen um dann vom Gipfel des Berges den zweitgrößten Wasserfall der Welt sehen zu können. Allerdings waren wir nach 2 1/2 Stunden noch sehr weit von den Leitern entfernt und sahen in der Ferne bereits dunkle Wolken aufziehen. Als wir uns entgegenkommende Wanderer befragten, wie lange es doch bis zu den Leitern dauern würde, meinten sie, dass wir noch mit mindestens 45 Minuten rechnen müssten und dass auch der Aufstieg nochmal einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Nachdem wir uns kurz beratschlagt hatten, entschlossen wir, dass es uns zu riskant erschien, den dunklen Wolken entgegen zu laufen. Also drehten wir um und machten uns auf den Rückweg. 

Wir hatten Glück und erwischten noch einige Sonnenstrahlen und hatten auch noch genügend Zeit für ein schönes Picknick. Mit vollem Magen wandert es sich doch gleich nochmal so gut! Unser Timing hat auch perfekt gestimmt und wir haben gerade als es angefangen hat zu regnen, das Auto erreicht. 

Auf dem Rückweg haben wir noch an einem Supermarkt gehalten, um uns typisch südafrikanisches Bier für den Abend mitzunehmen. Was uns vom Hotel als Supermarkt beschrieben wurde, war allerdings nur eine kleine, dunkle Hütte, die mit Gitterstäben gesichtert war. Drinnen wurden wir direkt von vielen Augen neugierig angesehen und uns wurde immer "You are so beautiful" und "Yellow bone" nachgerufen. Als "yellow bone"also gelber Knochen werden alle bezeichnet, die helle bzw. hellere Haut haben. Um etwas einkaufen zu können, musste man einer Frau sagen, was man alles will und sie reicht einem durch die Gitterstäbe dann die gewünschten Produkte. So haben wir dann 0.75l Flaschen Bier bekommen für umgerechnet 1,10€. Durchaus ein aufregender Einkauf. Zurück in unserem Hotel haben wir uns dann Kartoffeln, Baked Beans, Spiegelei und Wildwurst gekocht. Leider ging es Louisa's Mama an dem Abend nicht gut und so konnten wir nur zu viert essen. Nach der Wanderung und dem interessanten Einkauf waren wir dann aber auch sehr müde und sind recht früh ins Bett gegangen.  

Am nächsten Morgen durften wir wieder reichlich frühstücken mit Waffeln, Ham and Eggs, Müsli, Joghurt und natürlich viel Kaffee. Als wir noch ein paar letzte Fotos mit dem Amphie Theater im Hintergrund geschossen hatten, war es leider schon wieder Zeit zum Aufbrechen. 

Es war ein wirklich schönes Wochenende und ich möchte mich auch nochmal herzlich bei Louisa's Eltern bedanken, dass sie uns eingeladen haben mitzukommen! 

Vielen Dank auch an alle, die meinen Blog so fleißig lesen und mein Leben hier mitverfolgen. 

Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit 

Anja

 

19November
2017

Die drei Volunteers und die Gefahren der Wildnis

Es waren einmal drei Volunteers. Ihre Namen waren Louisa, Marie und Anja und sie waren richtige Abenteurer. Eines schönen Sommertages im November, hatten sie die Idee eine Wanderung durch das Naturreservat Kranzkloof zu machen. Sie hörten, dass es dort einen riesigen Wasserfall geben soll und dass die Aussicht atemberaubend schön sei. So machten sie sich auf um den geheimnisvollen Ort zu erkunden. 

Die drei mutigen Mädchen packten sich eine gute Jause und eine Picknickdecke in ihre Rucksäcke und machten sich auf den Weg. Nach einer kurzen Autofahrt waren sie am Eingang des Naturreservats angekommen und kauften sich für jeweils 2,20€ eine Eintrittskarte und eine Karte des Geländes, in der alle Routen eingetragen waren. Nach einer kurzen Lagebesprechung entschieden sich die Abenteuerer für eine Kombination aus zwei Routen, die als leicht bzw. mittelschwer beschrieben wurden. 

Der Weg führte sie an einem Schild vorbei, das vor ungesicherten Abhängen und Klippen warnte und auf einen schönen Waldweg, der immer wieder abzweigte und zu schönen Aussichtspunkten führte. Da die Abenteurer immer darauf bedacht waren, ihre Follower auf Facebook und Instagram auf dem Laufenden zu halten, stoppten sie, um einige Erinnerungsfotos zu schießen. Als Marie sich an eine Klippe setzte und ihre Beine in die Tiefe baumeln ließ, murmelte sie: "Wenn das meine Mama sehen könnte..". Auch die anderen beiden Volunteers konnten sich gut vorstellen, wie ihre Mütter die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, wenn sie sehen könnten, wie unvorsichtig ihre Töchter waren. 

   

Als alle Fotos geschoßen waren, nahmen sie noch einen großen Schluck Wasser aus ihrer Flasche um sich für den weiteren Weg zu stärken. Und die ersten Schwierigkeiten sollten bald folgen. Nach einer Kurve standen Louisa, Marie und Anja plötzlich vor einem Fluss, der ihren Weg kreuzte. Doch sie waren echte Abenteurer und überwanden dieses Hindernis im Nu. Die Mädchen zogen ihre Schuhe aus und durchquerten den Fluss ohne weiterer Schwierigkeiten.

Doch gerade als sie ihre Schuhe wieder angezogen hatten, erblickten sie einen weiteren Bach der in einen kleinen Wasserfall mündete. Als die Drei erneut ihre Schuhe ausgezogen hatten, sprangen sie ganz einfach über die Steine zur anderen Seite und setzten ihren Weg fort. Aber es dauerte nicht lange und sie erreichten einen steilen Abhang. Vorsichtig um nichts auszurutschen stiegen sie in die Tiefe. Doch es wurde immer steiler und immer rutschiger. Die drei mutigen Volunteers dachten aber gar nicht daran aufzugeben und bahnten sich ihren Weg bergab. Am Fuße des Berges angekommen, gabelte sich der Weg. Auf einem der Wegweiser stand "To the Falls". Also folgten sie dem Weg auf den der Pfeil wies. Wenn sie nur wüssten worauf sie sich da eingelassen hatten.

  

Der Weg führte die Drei entlang eines Flusses. Was die Abenteurer allerdings nicht erwartet hatten, war das Klima das unten am Wasser herschte. Es war unglaublich heiß und feucht und die Volunteers aus Europa waren zwar große Abenteurer, aber nicht an solche Verhältnisse gewöhnt. So wurden sie schnell müde und sehr durstig. Als sie einige Zeit flussaufwärts gegangen waren, entschieden sie eine Rast einzulegen und ihre Jause zu essen. Diese bestand aus einem selbstgemachten Wrap und einem hartgekochten Ei. Dazu tranken sie viel Wasser, da es sehr heiß war. Nach dieser Stärkung machten sie sich wieder auf den Weg um den Wasserfall möglichst schnell zu erreichen.

Doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis sie zu ihrem Ziel gelangten und so ging es weiter über Steine und durch dichtes Gebüsch. Die drei Abenteurer kletterten über Felsen und sprangen über Bäche oder liefen direkt im Fluss weiter.

Immer wieder waren sie sich nicht sicher, ob sie noch auf dem richtigen Weg waren. Doch nach einer langen und anstrengenden Reise kamen sie doch noch am Wasserfall an und der Ausblick war wirklich wunderschön.

 Als sie eine Zeit gerastet hatten und wieder Kraft geschöpft hatten, viel ihnen auf, dass ihre Wasserflaschen bereits fast leer waren. Doch es lag ja noch der weite Rückweg vor ihnen! Also beschlossen sie sich Wasser aus dem Wasserfall zu holen, da sie wussten, dass sie den anstrengenden Rückweg niemals ohne Wasser schaffen konnten. Anja kletterte über einige sehr rutschige Felsen, um herauszufinden, ob es möglich ist, bis zum Wasserfall zu kommen.  Und es war möglich! Also füllten sie ihre Wasserflaschen auf und entspannten ihre Füße im kühlen Nass.

Nach einiger Zeit meinte Louisa: "Wir sollten besser aufbrechen! Es ist schon recht spät und wir haben noch einen weiten Weg vor uns!" Also packten sie ihre Sachen zusammen und machten sich auf den Rückweg. 

Zurück der Weg schon viel schneller, da sie bereits wussten wohin sie gehen mussten. Doch auch diesmal verlief nicht alles nach Plan. Der Weg führte nämlich über einen großen Felsen, den die Mädchen erklimmen mussten. Als Louisa sich an einer Wurzel festhalten wollte, um sich hochzuziehen, schrie Marie plötzlich: "Pass auf! Eine Spinne!" Jetzt schrie auch Louisa, da beide große Angst vor Spinnen haben. Anja seufzte nur, da sie das Spinnenproblem der beiden bereits kannte und versuchte, sie dazu zu bringen einfach über die Spinne drüber zu steigen und weiterzugehen. Die beiden Angsthasen folgten ihrer Aufforderung, wenn auch unter viel Gekreische und Protest. Als dieses Hindernis auch überwunden war, konnte es weitergehen. 

Das nächste Problem stellte allerdings der steile Abhang dar, der die Drei zuvor hinuntergehen mussten, denn jetzt wurde es Zeit den ganzen Berg wieder hochzuklettern. Mit Marie an der Spitze und Anja als Schlusslicht erklommen sie im Schneckentempo und mit vielen Pausen zum Trinken und zu Atem kommen den Berg. Gerade als sie einen Rettungshubschrauber ernsthaft in Betracht zogen erreichten sie endlich de Ende des Hangs. Oben angekommen machten sie eine Rast an dem Fluss, den sie beim Hinweg überquert hatten und versuchten jemanden zu erreichen, der sie abholen könnte. Leider mussten sie feststellen, dass sie keinen Empfang hatten. 

Nach einer weiteren halben Stunde, diesmal nur geradeaus, ohne bergauf und bergab, waren sie endlich am Ausgangspunkt angekommen. Todmüde setzten sie sich auf eine Bank und überlegten, wie sie jemanden erreichen könnten, der sie wieder abholen könnte. Glücklicherweise fanden sie einen Mann, der ihnen ein Handy leihen konnte. So konnten sie zuhause Bescheid geben und wurden abgeholt. 

Nach diesem Tag wollten die Drei einfach nur noch unter die Dusche und entspannt einen Film schauen. Das war wirklich genug Abenteuer für einen Tag! 

Doch die Idee mit dem Trinken vom Wasserfall erwies sich eher als ungünstig und so lagen alle drei ein paar Tage später mit Bauchschmerzen im Bett bzw. hingen über der Kloschüssel. Zum Glück ging es ihnen bald wieder besser und sie konnten über ihre Dummheit lachen. 

Das war also die Geschichte unserer ersten Wanderung in Afrika. Ich hoffe, ich konnte euch unterhalten und ihr seid vorsichtiger, falls ihr auch mal vorhabt in einem fremden Land wandern zu gehen. 

Alles Liebe, 

Eure Anja 

07November
2017

Lustiges aus dem Alltag

Sawubona und Hallo,

heute kommt ein neuer Blogeintrag und mir ist gerade aufgefallen, dass ich jetzt schon 2 Monate hier bin. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich hab mich immer mehr eingewöhnt und die Aufgaben, die anfangs schwer und überfordernd waren, sind jetzt Alltag. Manche Dinge werden allerdings nie alltäglich werden und das sind die Kinder und die witzigen, aber auch traurigen oder berührenden Geschichten, die man mit ihnen erlebt. Um euch die Gefühlsachterbahn zu ersparen, werde ich heute nur die lustigen und amüsanten Geschichten erzählen und mir die Traurigen für einen anderen Blogeintrag aufheben.  Also wenn ihr heute weint, dann hoffentlich nur vor lachen. Ich darf aus Datenschutzgründen leider die Namen der Kinder nicht veröffentlichen, also werde ich nur Alter und Geschlecht bzw. Anfangsbuchstaben verwenden. Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!

  • Eines Tages klopfte einer der Teenager-Jungs (19) an die Tür unseres Cottages. Zuerst entschuldigte er sich für die Störung um danach eine Frage zu stellen, über die wir immer noch lachen: „Do you have Plasticbread?“ Logischerweise waren wir alle sehr verwirrt, was er von uns will. Wir fragten also nach um herauszufinden, was in aller Welt „Plasticbread“ sein soll. Als wir auch nach dem 10.Mal fragen noch nicht kapiert hatten, was er will, rannten wir durchs ganze Haus und zeigten ihm alles aus Plastik was wir finden konnten. Bretter, Tüten, Frischhaltefolie, Tupperdosen, Schüsseln,… Irgendwann hat er aufgeben uns zu erklären, was er will und hat sich nochmals für die Störung entschuldigt und ist dann gegangen. Auch wenn wir immer noch nicht rausgefunden haben was das ominöse Plastikbrot sein soll, müssen wir immer noch jedes Mal grinsen, wenn er vor unserer Tür steht.
  • Woran wir uns auch gewöhnen müssen, sind die neugierigen Fragen zu unserer Hautfarbe. Eines der kleinen Mädchen in der Krippe (3) zum Beispiel, hat verzweifelt versucht meine Muttermale abzuwaschen um am Ende kopfschüttelnd festzustellen, dass meine Hände wohl einfach „dirty“ sind. Die Auntie und ich hatten unseren Spaß zuzusehen wie entrüstet sie darüber war, dass diese braunen Punkte einfach nicht weggewaschen werden können.
  • Aber nicht nur meine Muttermale sind höchst verwirrend, sondern auch die Tatsache, dass man meine Adern durch meine Haut durchsehen kann. Als ich eines Tages mit mehreren Kindern (7-12) auf dem Trampolin sprang, haben sie sehr interessiert meine Hände angeschaut und sind fast ausgeflippt, als sie blaue Striche auf meinem Handgelenk gefunden haben. Sie sind sofort zu Louisa gerannt um zu sehen, ob sie auch so „krank“ ist wie ich. Als ich ihnen die Adern auf ihren eigenen Händen gezeigt habe, haben sie sich beruhigt, waren aber immer noch nicht ganz überzeugt, dass mit mir alles stimmt. Immerhin kann bei ihnen keine blauen Striche sehen, das kann doch nicht normal sein. 
  • Eine kleine, kurze Geschichte, mit der wir Louisa immer wieder aufziehen: Ein kleines Mädchen (6) nennt sie „Loser“ statt Louisa und ruft dann durchs ganze Dorf „LOOOOOOSER“, wenn sie Louisa sieht.
  • Die Kinder in der Krippe (2-3) können leider noch nicht so gut Englisch und deswegen ist es immer wieder schwer sich mit ihnen zu verständigen. Was sie aber können, ist singen. Auch wenn die Texte manchmal leicht abgeändert werden. So hört man manchmal lautstark: „SHAKE YOUR BUTT HALLELUJA“.  Vor kurzem haben wir herausgefunden, dass es sich um ein christliches Kinderlied handelt und der Text eigentlich „Shake your BODY Halleluja - come on and praise the Lord“ heißt. Naja so bekommt das Ganze doch eine etwas andere Bedeutung.
  • Was die Kleinen ebenfalls noch nicht so ganz können ist der Unterschied zwischen Auntie und Uncle. Zuerst haben sie immer Auntie Graham gesagt, bis wir ihnen erklärt haben, dass es Uncle Graham heißen muss, weil er ein Mann ist. Einige Minuten später haben sie dann Uncle Tami gewunken, die eigentlich Auntie Tami wäre. Wir hoffen, dass sie früher oder später einen Unterschied zwischen Männern und Frauen erkennen können, aber bis dahin haben wir unseren Spaß.
  • Wir haben auch ein Baby hier, das vor einigen Wochen 1 Jahr alt geworden ist. Wir haben ihr beigebracht zu winken und das hat sie auch recht schnell verstanden. Das Konzept, dass man Menschen winkt um Hallo oder Tschüss zu sagen, ist für sie aber nicht besonders logisch und so winkt sie einfach allem. Zum einen Katzen und Vögeln, zum anderen aber auch Bäumen und Häusern oder auch einfach so. Zwar nicht ganz der Sinn der Sache, aber süß ist es auf jeden Fall.
  • Die nächste Geschichte ist zwar nicht mit den Kindern passiert, sondern mit zwei von den Aunties, aber sie war trotzdem sehr lustig. An einem Abend haben wir noch eine kurze Runde draußen gedreht um alles abzuschließen und dann kamen uns zwei Aunties entgegen. Eine hysterisch lachend und die andere weinend. Sehr verwirrt fragten wir nach was passiert sei, da sie fast betrunken wirkten. Anscheinend ist ein Frosch vor dem Haus der einen Auntie und Zululeute haben aus irgendeinem Grund panische Angst vor Fröschen. Wir haben also unsere Hilfe angeboten und haben den Frosch mit einem Besen verjagt.Danach Die Auntie rannte wie wahnsinnig in ihr Haus, knallte die Tür zu und schloss innerhalb einer Sekunde ab. Ich habe noch nie eine Auntie rennen geschweige denn sprinten sehen. Sie dürfte also wirklich panische Angst gehabt haben. Wir und die anderen Aunties fanden es allerdings sehr sehr witzig.
  • Zum Schluss noch ein kleine Geschichte, die zeigt, dass ich für die Kinder wohl etwas älter aussehe als ich bin. Ich habe mich mit ein paar Burschen (10-12) darüber unterhalten warum manche Frauen sich schminken und warum ich mich nicht jeden Tag schminke. Als ich ihnen erklärt habe, dass ich mich hier nur für besondere Anlässe schminke, fragte einer." Also für deinen Ehemann?" Daraufhin habe ich sie raten lassen, wie alt ich bin und  die Antwort lag zwischen 23 und 26. Auch Louisa wurde gefragt ob sie eigentlich mit ihrem Mann zusammen wohnt, weil sie doch einen Ring trägt. Dass wir alle noch nicht verheiratet sind, weil ich erst seit ein paar Monaten 18 bin, ist ihnen gar nicht in den Sinn gekommen. 

So, das waren mal einige der witzigsten Geschichten, die uns passiert sind. Ich hoffe, ich konnte auch den ein oder anderen von euch zum Schmunzeln bringen. Ich wünsch euch noch einen schönen Tag und liebe Grüße!

Anja 

25Oktober
2017

Neues Leben - neue Haare

Hallo liebe Blogleser, 

Es kennen sicher viele von euch den Spruch: "Eine Frau, die ihre Frisur ändert, ist dabei ihr Leben zu ändern." Ich habe darüber schon öfter nachgedacht und für mich entschieden, dass es für mich auch anders herum gilt. "Wenn eine Frau ihr Leben ändert, wird sie auch ihre Haare ändern." 

Wer mich kennt, der weiß, dass ich schon viele Haarfarben und verschiedene Frisuren ausprobiert habe, daher war es für mich etwas schwieriger etwas zu finden, das für mich ganz neu und außergewöhnlich ist. Doch da ich meine Frisur an mein neues Leben anpassen wollte, habe ich mich auch an meinem neuen Umfeld und der dazugehörigen Kultur orientiert. Schwarze Frauen tragen hier zum Großteil Perücken oder Braids, da es Jahrzehnte dauern kann, bis ihre eigenen Haare richtig lang werden. Und da vor allem Braids typisch afrikanisch sind, habe ich mich dazu entschlossen, diese Frisur selbst auszuprobieren und euch von meinen Erfahrungen zu erzählen. 

Zunächst eine kurze Erklärung was Braids eigentlich sind. to braid bedeutet einfach flechten. Und genau daraus besteht auch die ganze Frisur: aus 50-100 kleinen Zöpfen bei denen Kunsthaare in die echten eingearbeitet werden. 

Ich habe das Kunsthaar in einer Drogerie gekauft, die eine Haarabteilung hat, in der man Extentions in vielen unterschiedlichen Längen, Farben und Preisklassen kaufen kann. Auf Empfehlung meiner Begleitung habe ich mich für ein dunkles Braun entschieden und für 6 Packungen ca. 8€ bezahlt. Das Flechten hat ein Mädchen hier im Kinderdorf übernommen. Sie hat fast allen Mädchen hier die Haare gemacht und sogar ihre eigenen Braids. Für die ganze Frisur habe ich insgesamt nur ca 15€ bezahlt. Da es aber echt viel Arbeit war, habe ich 5€ Trinkgeld draufgelegt. 

Das Flechten funktioniert so, dass eine Strähne des Kunsthaars um das Echte gewickelt wird und dann beides miteinander verflochten wird. Viele der Mädchen hatten es als sehr schmerzhaft beschrieben und saßen gespannt um mich herum und haben auf mein schmerzverzerrtes Gesicht bzw. Tränen gewartet.  Ich muss aber sagen, dass sich die Schmerzen bei mir sehr in Grenzen gehalten haben. Angenehm ist zwar etwas anderes, aber ich habe auch schon Schlimmeres erlebt. 

Nach 7 Stunden und einigen Filmen war es dann endlich soweit und meine neue Frisur war fertig. Das erste Mal aufstehen, war ein ziemlicher Schock, da die Kunsthaare unglaublich schwer sind und ich gar nicht genau wusste, wie ich mit der ganzen Haarpracht umgehen sollte. Auch die erste Nacht war ziemlich unangenehm, da die Zöpfe am Ansatz sehr hart waren und gedrückt haben. So schlimm wie es mir vorher beschrieben wurde, war es allerdings auch wieder nicht. 

Am nächsten Morgen stand ich vor der nächsten Herausforderung. Für die Arbeit mit den Kindern wollte ich meine Haare nämlich gerne zusammenbinden. Daran bin ich allerdings kläglich gescheitert, da ich die ganzen Zöpfe nicht mit einer Hand zusammenhalten konnte und ein Haargummi rundherum schlingen erstrecht nicht.  Mit der Hilfe von Louisa, meiner Mitbewohnerin, ist es mir dann doch gelungen. Auch im Laufe des Tages fielen mir immer wieder lange Zöpfe über die Schulter und ins Essen.  Nach einigen Tagen hatte ich mich allerdings daran gewöhnt und die neue Frisur begann mir richtig gut zu gefallen. 

Das ganze hat sowohl Nachteile als auch Vorteile. Ein Vorteil ist zum Beispiel, das das ständige Haarewaschen und Pflegen wegfällt und das Duschen bedeutend schneller geht. Außerdem kann man morgens aus dem Bett rollen und die Haare sitzen bereits perfekt und man spart sich einiges an Zeit mit verzweifelten Versuchen die Haare einigermaßen gut aussehen zu lassen, obwohl man gerade erst aufgestanden ist. 

Einer der größten Nachteile ist allerdings, dass einen die juckende Kopfhaut früher oder später in den Wahnsinn treibt. Nach 4 Wochen war es bei mir so schlimm, dass ich immer wieder blutige Stellen an meiner Kopfhaut gefunden habe, da sie so sehr ausgetrocknet und durch die ständige ungewohnte Belastung stark beeansprucht war. Da habe ich beschlossen, dass es genug ist und habe sie kurzerhand alle Zöpfe abgeschnitten und aufgemacht. Auch das hat über eine Stunde gedauert. Danach waren meine Haare aber voluminös wie noch nie! 

Ein netter Nebeneffekt ist, dass meine Haare sich durch die lange Zeit ohne richtiges Waschen daran gewöhnt haben und jetzt fast 5 Tage lang kaum fettig werden und ich sie jetzt nur noch 1-2 Mal in der Woche waschen muss statt alle zwei Tage. 

Mein Fazit ist: Definitv ein Erlebnis für sich und eine Frisur, die ich weiterempfehlen würde. Auf die Dauer werden die Braids bei Europäern, mit so dünnen und weichen Haaren wie meinen, leider nicht halten. Ich habe aber viele Komplimente bekommen und wurde auch in einer Shopping Mall angesprochen. Es war natürlich kein Vergleich zu den Afrikanerinnen, aber es hat mir trotzdem sehr gut gefallen. 

So sah die Frisur am Ende aus Die Zöpfe gingen mir über den ganzen Rücken Meine Haare nachdem ich sie wieder aufgemacht hatte

Vielen Dank für's Lesen! Mittlerweile ist hier schon so sehr der Alltag eingekehrt, dass ich gar nicht merke wie die Wochen vergehen, ohne dass ich einen neuen Blogeintrag geschrieben habe. Umso mehr freue ich mich über alle, die regelmäßig vorbeischauen. 

Liebe Grüße und alles Liebe, 

Anja 

16Oktober
2017

Endlich Ferien

Hallo ihr Lieben, 

Jetzt habe ich schon längere Zeit nichts mehr geschrieben und deswegen kommt hier ein kleines Update wie hier alles läuft. Ich hatte mich schon recht gut an den Alltag gewöhnt, an die Schule und die Hausübungen. Doch die Kinder haben schon sehnsüchtig auf die Ferien gewartet und letzte Woche war es dann endlich soweit und alle hatten eine Woche frei. 

Ferien bedeuten allerdings, dass rund um die Uhr 50 Kinder draußen rumrennen, schreien, spielen und beschäftigt werden wollen. Also haben die beiden anderen Volunteers und ich uns einige Aktivitäten überlegt, damit die Kleinen nicht stundenlang nur am Computer sitzen. Wir haben unter anderem Dosen bemalt und Bilder mit unseren Anfangsbuchstaben gebastelt, die allen viel Spaß gemacht haben. Am Nachmittag waren wir dann Fußball spielen oder haben eine Schnitzeljagd vorbereitet. Und wir haben eine interessante Entdeckung gemacht. Es lässt sich nämlich ein mathematischer Term aufstellen mit dem die Begeisterung der Kinder beschrieben werden kann. Zuerst dachten wir, dass Computerspielen über allem steht, aber da haben wir uns dann doch geirrt: 

Basteln < Fußball < Handy < Computer < Schwimmen

Als wir nämlich erwähnten, dass es heute doch auch warm genug wäre um im Pool auf der Terrasse der Manager schwimmen zu gehen, war der Computerraum wie vergessen. Also sind wir an einem Nachmittag zuerst mit den Jungs und dann mit den Mädchen schwimmen gegangen und ich denke, das war eins der Highlights der Woche.  Vor allem weil es auch viel geregnet hat, da hier ja gerade Frühling ist und das Wetter noch recht wechselhaft ist und zwischen 12 und 32°C schwankt.

Hier sind noch einige Fotos der letzten Woche: 

 

Falls jemand von den Überschwemmungen in Durban gehört hat, kann ich Entwarnung geben! Hier im Kinderdorf, oben auf dem Berg sind wir sicher und uns ist nichts passiert. In Durban sind allerdings teilweise Leute auf der Straße auf den Dächern ihrer Autos festgesteckt.

Vielen Dank fürs Lesen, auch wenn dieser Eintrag etwas kürzer geworden ist. Wir haben zurzeit immer wieder Probleme mit dem Strom und so hatten wir die letzten Tage weder Licht noch Internet. Da ist es natürlich schwierig einen Blogeintrag hochzuladen, wenn man den Computer nicht mal einschalten kann ohne Strom ;-)

Liebe Grüße und alles Liebe

Anja 

 

01Oktober
2017

Mein erster Monat

Hallo meine Lieben, 

jetzt bin ich schon einen Monat hier -wie die Zeit vergeht- und hatte viele Möglichkeiten die Kultur in Südafrika ein bisschen besser kennenzulernen und habe viele lustige Erfahrungen und Entdeckungen gemacht. Von einigen will ich euch in diesem Blogeintrag erzählen. 

Einer der wohl größten Unterschiede zwischen Österreich und Südafrika ist die Zeitangabe. Wenn jemand um 9 Uhr sagt, meint er vermutlich eher 9:20 und vor 9:30 sollte man nicht damit rechnen, dass wirklich jemand da ist. Da gerade Deutschland für seine Pünktlichkeit bekannt ist, war das natürlich erstmal schwierig sich daran zu gewöhnen und nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Auch wenn ich Kinder ermahne, dass es Zeit ist in ihre Cottages zu gehen, musste ich erst lernen, dass "jetzt" in Südafrika keinesfalls mit "jetzt" in Österreich gleichzusetzen ist. Hier ein kleiner Guide für die richtige Zeitangabe in Südafrika:

now – irgendwann, nicht unbedingt bald 

just now – irgendwann in den nächsten paar Stunden

now now – sofort, oder auch in den nächsten paar Minuten

Wie ihr seht, ist es sehr schwierig den Kindern begreiflich zu machen, dass man jetzt sofort, in dieser Sekunde, meint und nicht erst in ein paar Minuten oder Stunden. Langsam habe ich mich allerdings daran gewöhnt und komme auch selbst immer ein paar Minuten später und erspare mir dadurch einiges an Wartezeiten. 

Weitere lustige Erfahrungen habe ich beim Einkaufen gemacht. Ein "Quick-Spar" wird hier nämlich "Kwick-Spar" geschrieben und man kann Kit-Kat in ganzen Tafeln kaufen.Bildergebnis für kwikspar 

Besonders lustig fand ich auch die Aufschrift auf einer Saftpackung. Unter "ingredients" steht nämlich Trauben- oder Birnensaft. Da bleibt dann nur noch die Frage wann und wo das entschieden wird. Oder ob die Hersteller sich einfach selber nicht ganz sicher sind, was sie so alles in ihren Saft schütten.

Besonders interessant fand ich auch die Idee ganze Backhendl in Plastiksackerln zu verkaufen. Dafür kosten sie umgerechnet auch nur ca. 3,50€. Das war aber noch nicht das einzige was mir beim Fleisch aufgefallen ist. Unter dem Namen "Smoked Viennas" kann man hier nämlich Wiener Würstl kaufen. Da fühlt man sich doch direkt zuhause. Ob man allerdings 24 auf einmal braucht, wage ich zu bezweifeln.

 

Da meine Eltern meinen Blog auch lesen, sollte ich auch noch etwas über Obst und Gemüse erwähnen. Bananen gibt es hier zum Beispiel für 1€ pro Kilo. So wanderten letztes Wochende fast 3kg davon in unseren Einkaufswagen, da sie mittlerweile fester Bestandteil unseres Frühstücks sind. Auch Ananas und Avocado stehen jede Woche wieder auf unserer Einkaufsliste. Aber auch die vielen unbekannten Schokoladensorten und Kekse verlangten nach einer Kostprobe und so blieb es nicht nur bei Obst, das jede Woche seinen Platz auf der Einkaufsliste hat. 

Jeder, der mich besser kennt, weiß wie viel Wert ich auf gesunde Ernährung lege und deswegen hab ich mich sehr gefreut als ich einen Laden gefunden habe, der meinen Namen trägt und in dem es nur low-carb und vegane Bio-Smoothies gibt. ;)

In Wirklichkeit sind die beiden anderen Volunteers und ich mittlerweile Stammgäste in dem Café nebenan, das vor allem für seine Giant-Muffins bekannt ist. Vergleichbar ist der Aufbau und das Ambienté mit Starbucks. Der größte Unterschied ist allerdings der Preis. Für einen Fruchtshake und einen Muffin (der größer als meine Faust ist) zahlt man hier unter 4€ anstatt 5€ für einen einzigen Kaffee. Es gibt also kaum einen besseren Weg seinen freien Vormittag zu verbringen, nachdem man den Wocheneinkauf erledigt hat, als sich bei "Mugg&Beans" durch die Speisekarte zu probieren. 

Das Hauptverkehrsmittel sind hier Minibusse. Über die Sicherheit lässt sich streiten, aber Platz bieten sie auf jeden Fall. Das allgemeine Motto lautet hier: Passt nicht, gibt´s nicht! Das gilt sowohl für die Fahrgastanzahl -wer keinen eigenen Sitzplatz findet, sitzt auf dem Schoß- als auch für das Spurenwechseln. Blinken ist was für Schwächlinge und ein waschechter, afrikanischer Driver hupt bevor er die Spur wechselt bzw. danach, wenn doch weniger Platz war als erwartet. Der richtige Seitenabstand zu Fußgängern ist dann gegeben, wenn man ihnen während des Überholvorgangs einmal auf die Schulter klopfen kann, also ca 5cm. Auch mit unerwünschten Verkehrsteilnehmern wie Kühen, die sich eine Pause auf der Hauptstraße gönnen, sollte man zu jeder Tageszeit rechnen. Auch hier ist die Hupe die Lösung aller Probleme. Es ist also nicht zu verwunderlich, dass sich die beiden anderen Volunteers noch nicht alleine auf die Straße trauen, auch wenn beide bereits einen Führerschein haben. 

Ich wurde schon mehrmals nach Tieren und anderen Besuchern gefragt und auch davon will ich gerne erzählen. Da hier gerade erst der Frühling angefangen hat, halten sich Spinnen und Schlangen bis jetzt noch zurück. Allerdings wurden wir bereits vor der "Black Mamba" gewarnt, die sich an warmen Sommertagen gerne auf den Steinen vor den Häusern aufhält. Was es hier aber zu jeder Jahreszeit gibt, sind Heuschrecken mit ca 10cm Länge. Sie sind zwar nicht gefährlich, aber auch nicht gerade gute Haustiere. Gleich in den ersten Tagen nach meiner Ankunft wurde ich zur offiziellen Spinnenbeauftragten unseres Cottages ernannt und so fällt mir jetzt die ehrenvolle Aufgabe zu, alle Krabbeltiere in verschiedenen Größen und Ausführungen zu entfernen, die sich in unser Haus verirren. Aber auch Tiere wie Geckos und Frösche verirren sich immer mal wieder in unsere Zimmer. 

Allerdings haben wir auch recht süße Tiere rund um das Dorf. Hier wohnen nämlich kleine Äffchen, die gerade erste Babies bekommen haben. Allerdings ist es sehr schwierig sie zu fotografieren, weil sie sehr scheu sind. Trotzdem ist es immer wieder witzig, wenn man beim Abwaschen hochsieht und plötzlich ein kleiner Affe vor dem Küchenfenster sitzt. 

Auch die Vögel hier sind teilweise etwas gewöhnungsbedüftig. Es gibt hier nämlich so große Viecher, die Geräusche von sich geben, die wie das Schreien von kleinen Kindern klingen. Während man sich also Sorgen macht, ob sich jemand verletzt hat, sind das nur diese hässlichen Vögel, die über das Dorf fliegen. 

Das waren jetzt einige der vielen Eindrücke, die ich im letzten Monat gesammelt habe. Ich bin gespannt was die weiteren Monate noch so alles bringen werden!

Vielen Dank an alle fleißigen Leser und Kommentar-Hinterlasser und liebe Grüße aus dem kalten und regnerischen Südafrika, 

Anja 

26Sept
2017

Heritage day - Fest der Kulturen

Hallo an euch alle da draußen, 

ich hab ja schon in meinem letzten Eintrag einiges erzählt über die Kultur der Zulu. Daran möchte ich heute gleich anknüpfen. Der 24. September ist hier in Südafrika nämlich ein Feiertag, der für die Menschen hier sehr wichtig ist. Am sogenannten Heritage Day wird hier nämlich die Unterschiedlichkeit der Kulturen gefeiert und das ist gerade in einem Land, das so lange gegen Apartheid gekämpft hat, von großer Bedeutung. An diesem Tag feiert jeder so wie es seiner Kultur entspricht. Da Südafrika auch die Rainbow-Nation genannt wird, gibt es hier sehr viele unterschiedliche Varitanten wie dieser Tag gefeiert wird. Die weißen Einwohner zum Beispiel feiern meistens mit ihrer Familie und gehen zusammen essen und schauen danach Fußball oder spielen Brettspiele. Alle, die der Zulu-Kultur angehören, feiern da etwas anders und diese Tradition durfte ich miterleben. 

Da der Heritage Day dieses Jahr auf einen Sonntag gefallen ist, stand zuallererst ein Besuch in der "CityHill Church" auf dem Programm. Schon beim Einsteigen in den Bus fielen die ersten Besonderheiten auf. Einige der Aunties trugen besonders schöne Ketten oder Haarschmuck. Auch einige der Teenager-Mädchen hatten sich mit Armbändern und Haarreifen ein wenig mehr herausgeputzt als ich es bis jetzt gewohnt war. 

Da der Bus des Kinderdorfes die letzten Wochen in der Werkstatt war, war dieser Gottesdienst auch zugleich meine erste Erfahrung mit afrikanischen Kirchen. Doch abgesehen von der unglaublichen Größe des Saales und der Menge an Leuten, war mir das Meiste nicht unbekannt und auch die Lieder kannte ich fast alle bereits. 

 

Nach dem Gottesdienst ging es zurück nach Hause und es wurde gekocht und jeder hat sich hergerichtet und herausgeputzt, damit der Tag zu etwas ganz Besonderem werden konnte. Auch die beiden anderen Volunteers und ich haben uns vorbereitet und traditionellen Zulu-Schmuck gekauft. 

Das Fest begann mit einigen Showeinlagen der Kinder und Gedichten auf Zulu. Sogar ein Rap über Familie wurde von einem der Teenager Boys beigetragen und trug zu einem bunten und abwechlungsreichen Programm bei. Natürlich wurden auch wir überredet den tradtionellen Tanz auszuprobieren, was allerdings eher eine Blamage wurde. Spaß hatten wir trotzdem. 

Nach dem Programm gab es reichlich zu Essen - serviert von traditionell geschmückten Aunties. Obwohl wir auch nach dem fünften Mal nachfragen nicht verstanden haben, was genau das alles sein sollte, hat es doch sehr gut geschmeckt. Nach Besteck haben wir allerdings vergebens gesucht, da an diesem Tag alles mit den Händen gegessen wird. Für die Kinder war das natürlich ein riesen Spaß und dementsprechend sah auch der Boden am Ende der Feier aus. 

Nachdem alles vorbei war, haben wir uns zu dritt überlegt, was denn typisch deutsch bzw. österreichisch ist. Und um uns bei den Aunties für das gute Essen und den tollen Tag zu bedanken haben wir also nach Brezeln gebacken und sind damit von Haus zu Haus gezogen und haben sie verteilt und versucht zu erklären wie man "Bretzel" möglichst deutsch ausspricht.  Sie haben sich sehr gefreut und es war ein toller Abschluss für einen gelungenen Tag. 

 

Das waren also meine Erfahrungen mit dem Heritage Day in Südafrika. Ich hoffe, ihr habt etwas Neues lernen können und mehr über die Kultur und mein Leben hier in Südafrika erfahren können.

Auch wenn ich schon ein paar Tage zu spät dran bin: Happy Heritage Day und liebe Grüße! Vielen Dank für alle lieben Kommentare, die ich sehr gerne lese und mir das Gefühl geben in Wirklichkeit gar nicht so weit weg zu sein.

Eure Anja

16Sept
2017

Eine Frau für 11 Kühe - Heiraten auf Zulu

Hallo ihr Lieben, 

ich habe in meinen letzten Blogeinträgen von meiner Arbeit unter der Woche bzw. am Wochenende erzählt. Daran hat sich bis jetzt auch kaum etwas geändert. Allerdings gibt es eine Ausnahme und das ist der Dienstag. Das ist nämlich meiner freier Tag, an dem meine Mitbewohnerinnen und ich Zeit haben zum Erholen, Ausruhen und Touristsein. Diese Woche haben wir einen Auflug zum nahegelegenen PheZulu gemacht.Bildergebnis für phezulu

Das ist ein traditionelles Dorf des Zulu-Volkes, also der Ureinwohner Südafrikas, das für Besucher geöffnet wird. Zuerst wurden wir durch einige der runden Hütten geführt und haben gelernt wie Zulus kochen, jagen und schlafen.Bildergebnis für phezulu

Danach durften wir in einem kleinen Amphietheater Platz nehmen und dort begann dann die eigentliche Show. In mehreren Szenen wurden der Ablauf einer traditionellen Zulu-Hochzeit dargestellt.

Will ein Mann heiraten, muss er zuerst das Herz seiner Auserwählten gewinnen und sie um ihr Einverständnis bitten. Soweit alles recht normal und allseits bekannt. Doch der nächste Schritt ist bereits etwas verwunderlich. Der Bräutigam muss nun nämlich die Wahrsagerinnen aufsuchen, die traditionell rote Kleidung tragen müssen. Diese lesen dann aus einigen Muscheln und Steinen, die sie zuvor auf eine Decke geworfen haben, die Zukunft des Paares.Ähnliches Foto

Wenn auch von dieser Seite nichts gegen eine Hochzeit einzuwenden ist, macht sich der heiratswillige Mann auf den Weg zum Vater seiner Angebeteten. Dieser verlangt dann eine Bezahlung für seine Tochter. Eine Frau kostet hier 11 Kühe; je nach Rang des Vaters kann der Preis allerdings auch höher sein. Und wer die Tochter des Chiefs, also des Anführeres des Stammes, heiraten will, kann erstmal eine ganze Kuhherde auftreiben. Wenn auch die Kühe an Ort und Stelle sind, dann kann die Hochzeit auch schon losgehen. Besonders wichtig ist dabei Tanz und Musik. Einige Stammesmitglieder trommeln den Rythmus und der Rest des Dorfes tanzt. Traditionell dauert eine Hochzeit hier 3 Tage. Dabei werden sicher einige Kalorien verbrannt. Bildergebnis für phezulu

Eine verheiratete Frau erkennt man in der Zulukultur an dem typischen Hut, den sie immer tragen muss, wenn sie das Haus verlässt, damit jeder erkennt, dass sie bereits vergeben ist.

Bildergebnis für phezulu village

Unverheiratete Frauen laufen hingegen meistens oberkörperfrei durch das Dorf, um ihren Körper und ihre Fruchtbarkeit zu präsentieren. (Davon habe ich kein Foto ;-)) Nur weil ein Mann bereits verheiratet ist, ist das für ihn kein Hindernis sich eine weitere oder gleich mehrere Frauen anzuschaffen. Solang man genug Kühe hat, steht auch der 20. Ehefrau nichts im Weg. 

Nach der Führung haben wir noch das traditionelle Essen probieren dürfen. Das besteht aus  Chakalaka, Pap, einem Maisgrieß und einer Wurst, die zwar mit unseren Würsten wenig zutun hat, aber trotzdem recht gut geschmeckt hat.

 

Wir hatten einen sehr schönen und informativen Tag und haben viel über die Kultur der Menschen hier gelernt. Wie viele Kühe ich wert wäre, habe ich leider nicht in Erfahrung bringen können, aber die würden im Garten meiner Eltern wahrscheinlich sowieso zu viel Platz wegnehmen. 

Ich freue mich sehr über alle, die mein Leben hier mitverfolgen und ich hoffe ich konnte euch heute etwas Neues beibringen.

Liebe Grüße

Anja 

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