Mein Auslandsjahr - Südafrika

iKethelo Children's Village

01August
2018

Vom Abschiednehmen und Nachhausekommen

Liebe Blogleser, 

ich bin jetzt schon seit über einer Woche zuhause und ich denke es wird Zeit für ein letztes Update, diesmal nicht mehr aus Südafrika, sondern aus Gablitz.

Bevor es aber Zeit wurde zum Nachhause kommen, war es Zeit zum Verabschieden. Die letzte Woche in iKhethelo war eine der anstrengendsten Wochen in meinem Leben. Wir haben immer noch voll gearbeitet und mussten uns gleichzeitig um Abschiedsgeschenke, Mitbringsel für Familie und Freunde und das gefürchtete Kofferpacken kümmern. Jeden Abend sind wir komplett kaputt ins Bett gefallen um den gleichen Wahnsinn am nächsten Morgen weiterzuleben. Und dann war es Samstag und damit der letzte Tag vor unserem Abschied. Von ein paar Kindern mussten wir uns schon am Freitag verabschieden, weil sie übers Wochenende weggefahren sind. Den ganzen Samstag haben wir also geputzt und gepackt und gewaschen und nochmal ausgepackt und neu gepackt und die Küche geputzt und die Koffer gewogen und wieder ausgepackt und und und... aber egal wie lange wir es herauszögern wollten und wie sehr wir uns ablenken wollten von der Wahrheit: Es war unser letzter Abend und unsere Zeit in iKehthelo und miteinander war vorbei. Abends sind wir nochmal durch alle Cottages gegangen und haben den Kindern Sackerl mit Süßigkeiten vorbeigebracht und um jeden nochmal zu knuddeln. 

Am nächsten Morgen haben wir noch die Betten abgezogen und alle Spuren des letzten Jahres beseitigt und sind in die Kirche gefahren. Und als wir zurück gekommen sind, wurde es auch schon Zeit alles zu packen, unsere Schlüssel abzugeben und unser Cottage ein letztes Mal abzuschließen. Wir haben die Kinder umarmt und versucht möglichst wenig vor ihnen zu weinen. Und schon saßen wir im Bus auf dem Weg zum Flughafen. Zum Glück sind zwei der Teenage-Mädels mitgefahren und haben uns ein bisschen abgelenkt. Und dann wurde es Zeit sich von Marie zu verabschieden. Natürlich wussten wir, dass wir uns wieder sehen werden, aber trotzdem ging in dem Moment unseres Lebens zu Ende. Wir haben uns einmal unter Tränen umarmt und dann nocheinmal mit einem Lächeln, all der guten Tage wegen. 

Und dann war ich zum ersten Mal seit mehrern Monaten wirklich alleine. Und ich saß dort im Cafe und habe auf meinen Flug gewartet und hab mich plötzlich so einsam gefühlt, wie lange nicht mehr. Ich hatte niemanden, mit dem ich hätte reden können. Ich war nicht mehr in iKhethelo und noch nicht zuhause. Ein total komisches Gefühl. 

Und nach 15 Stunden Flug und Warten am Flughafen in Dubai, war es soweit. Ich hab meine Familie und meine Freunde nach 11 Monaten wieder gesehen. Und wir haben nicht geweint, sondern uns nur gefreut. Sie haben alle mit Schildern und Plakaten auf mich gewartet. Es hat so gut getan zu wissen, dass man nach Hause kommt und jemand voller Freude auf einen wartet. 

Und die nächsten Tage habe ich viel Zeit mit Freunden verbracht und versucht mich wieder an Wien zu gewöhnen und dass ich plötzlich nicht mehr den ganzen Tag etwas zu tun habe. Es war komisch und manchmal ist es das immer noch, aber es geht mir erstaunlich gut. Ich bin nicht traurig, sondern eher sehr verwirrt. Aber ich wurde überall sehr freundlich wieder begrüßt und das hat sehr geholfen. 

Ich habe meinen ersten Blogeintrag nochmal gelesen und musste über mich selbst grinsen. Ich hab dieses Jahr so viel gelernt und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich mich auf jeden Fall nochmal für iKhethelo entscheiden. Ich hab ein neues Land kennengelernt und mich in die Menschen und die Kultur verliebt und ich habe Erfahrungen gemacht, die ich nie vergessen werde. Und Freundschaften geschlossen, die hoffentlich noch lange halten. Ich bin sehr dankbar, dass das alles so gut funktioniert hat und ich in Südafrika so schnell ein neues Zuhause gefunden habe. 

Und damit will ich mein Auslandsjahr und auch diesen Blog abschließen. Ich überlege nächstes Jahr im Sommer nochmal für 4-6 Wochen nach Südafrika fliegen um die Kinder zu besuchen, aber ob das alles so funktioniert und ob ich mir das leisten kann, wird sich erst noch zeigen. 

Vielen Dank an alle, die mich dieses Jahr mitverfolgt haben und mein Leben im Gebet oder in Gedanken begleitet haben. Vielen Dank auch für alle Kommentare unter Blogeinträgen, die mich sehr motiviert haben, weiterzuschreiben und auch Danke an alle, die immer wieder mitgelesen haben. 

Vielen Dank und liebe Grüße diesmal aus dem sehr sehr heißen Gablitz, 

eure Anja 

Ps.: Falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, zu meinem Leben in Südafrika oder wie es jetzt weitergeht oder zu iKhethelo könnt ihr mir gerne unter a.gaessler@gmx.at schreiben! 

29Juni
2018

Koffer packen

Hallo ihr Lieben, 

Heute will ich einen Text mit euch teilen, der meine Gefühle in den letzten Tagen wiederspiegelt. Ich hoffe, er gefällt euch und ihr könnt noch ein bisschen besser nachvollziehen, wie es sich anfühlt, so kurz vorm Abschied, wenn die Zeit einfach nicht aufhört viel zu schnell zu vergehen. Viel Spaß!

 

In 3 Wochen ist es soweit. Ein Lebensabschnitt endet und ein neuer beginnt. Nur ist dieser anders. Ich packe mein ganzes Leben hier, die letzten 11 Monate, in den orangenen Koffer, der schon seit Wochen in der Ecke steht und mich dran erinnert, dass meine Zeit hier bald vorbei ist. Und egal wie groß der Koffer ist und egal wie sehr ich mich bemühe, ich werde nicht alles mitnehmen können. Nicht alle T-Shirts, nicht alle Schuhe und nicht alle Bücher. Schon gar nicht das Bett in dem ich so oft geschlafen habe oder die Tasse aus der ich morgens Kaffee und abends Tee getrunken habe. Dabei war sie doch ein Weihnachtsgeschenk zu meinem ersten Weihnachten im Sommer. Der Schlüssel, den ich so oft fast verloren hätte oder die Hose, die ich so oft anhatte, dass sie ganz verfärbt und zerrissen ist. All das Essen, das mir hier so gut geschmeckt hat oder die Äffchen, die durchs Fenster gesehen haben. Oder in welchen Koffer könnte ich die Sonnenuntergänge und die Filmabende packen? Gibt es nicht irgendwo noch eine Seitentasche in die all die Flaschen Wein passen, die ich mit Freunden getrunken habe? Nur ein paar Wellen vom Strand in Durban oder ein paar bunte Vögel.

Und am schlimmsten ist das Wissen, dass ich keines der Kinder, noch nicht mal das allerkleineste in meinem Koffer packen kann. Keinen der Menschen, die ich lieben gelernt habe, die Teil meines Lebens hier sind. Nicht die Aunties, die uns Zulu beigebracht haben, nicht die ganzen Maintenance-Guys, die uns immer so fröhlich grüßen, nicht Tami, die Managerin, die so ein großes Vorbild für mich geworden ist, nicht die Night-Security, die uns mehr als nur einmal erschreckt haben und am Ende doch auch irgendwie Freunde wurden. Nicht die kleinen Kinder, denen ich Englisch beigebracht habe und die mir Blumen geschenkt haben. Und auch nicht die Volksschulkinder die ich immer wieder mit Mathe gequält habe und die mit mir gemalt und Geschichten erzählt haben. Nicht die 13-Jährigen, die meine Hilfe absolut nicht mehr brauchen, weil sie viel zu erwachsen sind und die am Ende doch immer wieder kommen und unauffällig versuchen sich eine Umarmung abzuholen. Nicht die Teenage, für die ich immer wieder länger geblieben bin um ihnen mehr Zeit am Computer zu ermöglichen und die immer wieder geklopft haben um nach einer Movie-Night zu fragen. Auch nicht meine Verbündete und Partnerin, mit der ich Haus, Arbeit, Essen, Freizeit, Urlaub, so viele gute Zeiten und den ein oder anderen Mental Breakdown geteilt habe.

Wozu einen Koffer packen, wenn ich die wichtigsten Dinge ja doch nicht einpacken kann?

Also werde ich mir einen eigenen Koffer packen. Mein eigenes Spiel „Ich packe meinen Koffer“ spielen. Und dieser Koffer wird kein hässliches orange haben und schon gar keine Abnutzungen und hässliche schwarze Flecken. Dieser Koffer hat die Farbe von der Sonne, die über einem südafrikanischen Kinderdorf untergeht. Und in diesen Koffer packe ich all das was ich nicht hierlassen kann. Alles Schöne und Herzbrechende, das ich gesehen habe. All die Gerüche, die ich riechen durfte und manchmal musste. All die Stimmen und die Musik, die ich gehört habe. All das gute Essen und die unbekannten Zutaten, die ich schmecken konnte. All die Kinderhände, die ich auf meinen Armen, Beinen und manchmal im Gesicht spüren durfte. Und all die Gefühle, Freude, Trauer, Wut, Spaß, Heimweh und Liebe, die ich fühlen durfte. Alles packe ich in meinen Koffer. Und dann kommt da ein Kofferband drum und ein Schloss dran. Damit auf dem Weg nach Hause nichts rausfällt und verloren geht.

Und wenn ich zuhause bin, werde ich meinen hässlichen orangenen Koffer und meinen schönen Sonnenuntergangs-Koffer auspacken und alles einsortieren. Meine Kleidung kommt in meinem alten Schrank zuhause und die Zahnbürste ins Badezimmer. Und ich komme in mein Bett, das nicht mehr so richtig mein Bett ist in meinem Zimmer, das nicht mehr so ganz mein Zimmer ist. Und all die Erinnerungen aus dem zweiten Koffer kommen in mein Herz. Einsortiert unter „Südafrika“. Aber die Abteilung Südafrika wird genauso sein wie mein Leben hier. Ein einziges Durcheinander an Lachen, Musik, Tränen und Kindern. Aber den Koffer werde ich aufheben für das nächste Mal, wenn ich wiederkomme. Für mehr Durcheinander und südafrikanische Lebensfreude.

 

Vielen Dank fürs Lesen und liebe Grüße

Anja 

21Juni
2018

Alltagsgeschichten

Hallo liebe Blogleser, 

es ist endlich mal wieder Zeit für ein kleines Update von mir. Mittlerweile hat mich der Alltag so sehr eingeholt, dass ich fast vergessen habe, wie schnell die Zeit vergeht und jetzt sind es nur noch ein bisschen mehr als 4 Wochen bis ich wieder heim komme. Wenn ich so über die letzten Wochen nachdenke, verschwimmen die einzelnen Tage; nur Wenige stechen wirklich hervor. Und von denen will ich euch in diesem Blogeintrag erzählen. Und auch von einigen Dingen, die sich geändert haben. 

Mir ist erst vor ein paar Tagen aufgefallen, dass ich nie erwähnt habe, dass Marie und ich mittlerweile nur noch zu zweit sind, da Louisa sich bereits auf den Heimweg gemacht hat. Zuerst war das sehr komisch, aber wir haben uns dran gewöhnt und kommen jetzt auch zu zweit sehr gut klar. Marie kocht, ich wasche ab und abends schauen wir zusammen eine Serie. Vor zwei Tagen bin ich in Louisa's altes Zimmer gezogen, damit wir die Doppelzimmer frei haben für Gäste. Eine wirklich sehr bequeme Matratze, die du da hattest Louisa!

Louisa's letzter Abend

Etwas anderes, das sich verändert hat, ist dass die Regierung von Südafrika beschlossen hat, dass wir alle Strom sparen müssen und deswegen wird uns jetzt jeden Tag für zwei Stunden der Strom abgestellt. Man gewöhnt sich dran, aber es ist schon nervig, wenn man gerade kochen will und plötzlich steht man im Dunkeln. An manchen Tagen vergessen die Zuständigen anscheinend, dass es jetzt Zeit ist und der Strom bleibt an. Typisch Südafrika, Zeiten sind eher ungefähre Angaben. Der einzige Vorteil ist, dass die Kinder dann leider, leider nicht Computer spielen können, wenn wir keinen Strom haben wink

Was auch immer wieder schön ist, sind besondere Events, die den Alltag unterbrechen. Zum Beispiel der Comrades, mit 94km einer der längsten Marathons der Welt, der ziemlich direkt an uns vorbei führt. Läufer von überall aus der Welt fliegen nach Südafrika um an diesem Event teilzunehmen. Zusammen mit einigen der Kinder haben wir uns also am 10.Juni an die "Old Main Road" gestellt um den Wahnsinnnigen zuzujubeln, die fast 100km in unter 12 Stunden laufen. Wir standen kurz nach dem Half-Way-Point. Die Läufer die an uns vorbeigelaufen sind, waren also schon seit fast 50km unterwegs! Einfach unglaublich wieviele noch lächeln und winken konnten! Marie und ich haben natürlich Ausschau nach Österreichern und Deutschen gehalten und haben Günther, Heinrich und Anno-Peter angefeuert! Wirklich ein cooles Event und die Kinder waren natürlich begeistert, dass etwas besonderes passiert. 

 

Etwas anderes, wovon ich noch nicht berichtet habe, ist mein Geburtstag! Ich bin am 14.Mai 19 geworden. Leider mussten wir arbeiten und hatten nicht so viel Zeit zum Feiern, aber Marie hat mich mit einem leckeren Geburtstagsfrühstück und einem Kuchen überrascht. Abends waren wir noch essen und ich durfte endlich mein Geschenk aufmachen. Meine besten Freunde von Zuhause, Marie und Louisa haben organisiert, dass ich vom Stadium in Durban springen darf! Das klingt jetzt noch verrückter als es war.. im Moses Mabhida Stadium hängt die höchste Schaukel der Welt.  Man klettert also ganz nach oben und springt dann, natürlich an einem Seil, runter. Danach fällt man erstmal 60m und schwingt dann durch das ganze Stadium. Es war wirklich ein unglaubliches Erlebnis und auch der Tag, den wir danach in Durban verbracht haben, war wunderschön.

Bester Sprung-Buddy

Marie und ich durften in letzter Zeit auch immer wieder alleine die Pre-School leiten und umso besser uns die Kinder kennen umso mehr Spaß macht es auch. Vor allem auch die Bibelgeschichten, die wir vorlesen und möglichst einfach erklären sind wirklich toll. Die Kleinen merken sich einzelne Wörter und versuchen uns die Geschichten dann später nachzuerzählen. Vor allem Jona und David und Goliat sind absolute Favoriten und plötzlich ist in jedem Fisch Jona drin. 

Marie puzzelt ein Jona-Puzzle Wenn wir genug haben vom Vorlesen, liest er einfach selber

Es wird immer kälter und vor allem auch trockener. Das heißt sehr sehr trocken. Alles ist trocken.  Der Boden, die Luft, meine Haare, meine Haut, meine Augen. Schon etwas anstrengend. Aber dafür ist der Himmel auch fast jeden Tag wolkenlos und obwohl es hier schon Winter ist, haben wir tagsüber immer wieder 25 Grad. Nachts dagegen oft nur 10. Eine sehr seltsame Mischung! Aber egal wie das Wetter ist, die Sonnenuntergänge sind wirklich wunderschön! 

 

Ich freu mich langsam auch schon auf zuhause, auch wenn es hart wird hier weggehen zu müssen. Jeden Tag schwanken die Gefühle zwischen Vorfreude und dem Wunsch, dass unsere Zeit nochmal von vorne beginnen kann. 

Vielen Dank fürs Lesen und liebe Grüße 

Anja 

 

05Mai
2018

Lustiges aus dem Alltag 2.0

Hallo meine Lieben, 

Heute ist es wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag und diesmal will ich euch wieder ein paar lustige Geschichten der Kinder erzählen. Vor allem da ich jetzt in der Pre-School arbeite, passieren immer wieder total witzige Dinge mit den Kleinen. Also viel Spaß!

  • Ich glaube, ich habe schon mal von den Vögeln erzählt, die klingen als würden sie schreien. Letzten Sonntag habe ich unsere Jüngste (1 1/2) auf dem Arm, die gerade sprechen lernt. Sie zeigt also voller Begeisterung auf die Vögel und schreit: "AAAAAAAAAAH". Ich will ja nicht behaupten, dass meine Vogelimitation als Kind besser war, aber von Piep Piep war sie schon sehr weit entfernt.

 

  • In der Pre-School habe ich einem Jungen (4) versucht zu erklären wie man seinen Namen schreibt: T: down and across. Er ganz stolz: "Yes! Down and across. Jesus died on the cross!" War zwar nicht ganz passend zum Thema, aber er dürfte bei der Bibelgeschichte gut zugehört haben. 

 

  • Ich sitze mit einem Mädchen (9) draußen in der Sonne und sie isst Studentenfutter. Als ich sie frage warum sie alle Rosinen aussortiert sagt sie:" I don't like Raisins. I think I'm raisist."

 

  • Am 27. April wird hier der Freedom-Day gefeiert und wir haben in unserem wöchentlichen Prayer-Meeting mit den Kindern besprochen warum das gefeiert wird. Es ist der Tag der ersten demokratischen Wahl in Südafrika bei der alle, unabhängig von ihrer Hautfarbe, wählen durften. Es wird ein Bild gezeigt, wie weiße, schwarze und farbige gemeinsam Menschen anstehen um wählen zu gehen und es wird gefragt: was ist bei diesem Bild wichtig? Antwort: "Man darf nicht schubsen, wenn man in einer Reihe steht!"

 

  • Unser jüngster Teenager (13) ist gerade ins Cottage für die Teenage Boys umgezogen und ist sehr stolz drauf. Letztens frage ich ihn wie es ihm geht und es antwortet, dass es ihm nicht gut geht. Ich frage ihn daraufhin warum und es sagt, dass er es auch nicht weiß. Ich stelle fest:" Das ist bei Teenagers oft so. Denen geht es immer schlecht und sie sind immer genervt. Kommt wohl von der Pubertät." Er darauf:" Das ist gar nicht wahr! Ich bin überhaupt nicht in der Pubertät! Warum rede ich überhaupt mit dir? Boah, Erwachsene nerven." Na zum Glück ist er nicht in der Pubertät.

 

  • Eine fast schon peinliche Geschichte ist in der Pre-School passiert. Ein Mann aus Amerika war zu Besuch und wollte sich die Kleinen anschauen und ein paar Fotos machen, um zuhause Werbung zu machen, dass wir Sponsoren für die Kinder finden. Was man vorher noch sagen muss ist, dass er eher von der fülligeren Sorte Mann war. Also mit einem wirklich sehr ausladenen Bauch. Unser 4-jähriger marschiert also zu ihm und begrüßt ihn. "Good morning, I'm good". Nachdem der Kleine unseren Gast kurz begutachtet hatte, streckt er seinen Finger aus, pickst in seinen Bauch und ruft:" Is sooo big, this one!" Zum Glück hat der Amerikaner nur gelacht und es mit Humor genommen. Trotzdem haben wir danach erstmal dem Kleinen erklärt, dass man so etwas nicht direkt sagen muss, wenn man jemanden sieht. 

 

  • Was auch immer wieder lustig und süß ist, sind die Jungs zwischen 10 und 13, die eigentlich sehr gerne eine Umarmung hätten, aber leider zu "cool" dafür sind. Statt also einfach zu mir zu kommen und mich zu umarmen, boxen sie mich oder versuchen mich in einen Kampf zu verwickeln, in dem sie dann "unabsichtlich" so fallen, dass mein Arm um ihre Schulter liegt. So bleiben sie dann ein paar Sekunden und dann kommt "Don't touch me!" und sie rennen weg. Mit 13 ist das Leben schon sehr schwierig. 

 

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Alltagsgeschichten zum Lachen bringen und ich denke, jeder der selber Kinder hat oder irgentwo mit Kindern zutun hat, hat seine eigenen lustigen Geschichten zu erzählen. 

Vielen Dank fürs Lesen! Jetzt sind es nur noch 10 Wochen bis meine Zeit hier vorbei ist. Ich freue mich über alle, die immer noch fleißig meinen Blog mitverfolgen. 

Liebe Grüße aus dem mittlerweile winterlichen Südafrika, 

Anja

 

 

 

 

 

 

 

 

01April
2018

Von Durban nach Cape Town - mein Roadtrip durch Südafrika

Hallo liebe Blogleser, 

Vor ziemlich genau einer Woche bin ich von meinem Roadtrip durch Südafrika zurückgekommen und jetzt wird es Zeit auch einige Bilder und Geschichten hier mit euch zu teilen. Wir haben viel erlebt und jeder Tag war anders und an jedem Ort durfte ich Südafrika anders erleben. Da ich so viel erlebt habe und so viele Fotos habe, die ich gerne zeigen würde, dass es diesen Blogeintrag sprengen würde, werde ich einfach ein paar meiner Lieblingsbilder und die Geschichten dahinter erzählen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Bevor es aber mit den Fotos losgeht, werde ich noch schnell erklären wie unsere Reise grundsätzlich abgelaufen ist. Marie und ich waren für zwei Wochen mit BAZBUS unterwegs. Das ist ein Hop-on Hop-off Bus, der uns direkt an unseren Hostels abgesetzt und auch wieder eingesammelt hat. Wir sind in diesen zwei Wochen von Durban nach Kapstadt und wieder zurück gefahren. Für Marie und mich war es unser erster Urlaub, den wir komplett alleine geplant (zum Glück nicht bezahlt) haben und dementsprechend waren wir auch nochmal ganz anders aufgeregt. Haben wir auch wirklich alle Hostels für den richtigen Tag gebucht, weiß der Busfahrer, dass er uns heute abholen muss? Alles neu und aufregend, aber am Ende hat alles wunderbar gepasst und wir hatten keine Probleme. Auf der Erwachsenwerden-Checkliste können wir Urlaub-buchen-ohne-Eltern-die-uns-über-die-Schulter-schauen guten Gewissens abhaken. 

So jetzt geht es aber los: 

 

Was ich immer wieder besonders genossen habe war die Zeit und der Blick über das Meer. Auch wenn wir in Durban wohnen, verbringen wir doch nur sehr wenig Zeit am Strand. Dieses Bild ist in Jeffrey's Bay enstanden, ein weltbekannter Surferort. Leider hatten wir an diesem Tag nur Regen und so konnten wir in "J-Bay" nicht selbst surfen. Der Blick von unserem Hostel war der Stop  aber auf jeden Fall wert. 

Einer meiner absoluten Lieblingsstops war auf jeden Fall Wilderness! Nach einer tollen Nacht in Jeffrey's Bay, in der wir viele Leute getroffen haben und erst morgens ins Bett gekommen sind, war Wilderness der perfekte Ausgleich. Mit einem endlosen Strand und einem Zimmer mit Meerblick haben Marie und ich die Seele baumeln lassen und den schönsten Sonnenuntergang miterlebt, den ich je gesehen habe. Ein kleines Paradies.

Am nächsten Morgen hatten wir noch einige Stunden Zeit und sind eine stillgelegte Bahnstrecke entlang gewandert. Direkt an der Küste entlang, durch Tunnel und über Brücken. Auch eins meiner absoluten Highlights! 

Dieses Foto ist in Mosselbay beim Sandboarding entstanden. Dort konnten wir die höchste Düne Südafrikas runtersliden. Auch wenn es ähnlich aussieht wie Snowboarden, ist es meiner Meinung nach sehr viel einfacher, da Sand weniger rutschig ist als Schnee. Echt toll, eine Sportart auszuprobieren, die bei uns eher schwierig wäre. Wirklich lustig war aber auch unser Coach, der uns verschiedene lustige Geschichten erzählt hat. Zwei davon will ich euch auch erzählen, weil sie einfach so verrückt klingen. 

Im Gebiet, in dem diese Düne liegt, wächst eine bestimmte Schlingpflanzenart, von der sich die Schafe dort ernähren. Jedes Jahr gibt es einen Monat, in dem der Wind aus einer ganz bestimmten Richtung kommt und aus irgenteinem Grund verändert das etwas in der Pflanze, sodass die Schafe, die in der Zeit davon essen in eine Art Schock verfallen und sich nicht mehr bewegen können. Woran das liegt, weiß keiner und es weiß auch keiner und auch nicht in welchem Monat es wieder passieren wird. Zum Glück haben sie aber eine "Medizin" für die Schafe gefunden: Whiskey und Milch. Klingt wirklich total verrückt. 

Die Düne, auf der wir gefahren sind, liegt auf einem Privatgrundstück, das einem älteren Paar gehört. Allerdigs wussten sie jahrelang nicht, dass diese Düne etwas besonderes sein könnte. Vor 15 Jahren hat dann ein Mann mal nachgemessen und herausgefunden, dass diese Düne die Höchste in Südafrika ist. Das Ehepaar hat die Chance ergriffen und angeboten, dass unser Coach auf dieser Düne Unterricht geben darf, gegen Eintritt. Sie wohnen jetzt also dort und genießen ihr Leben und täglich kommen Menschen und bezahlen dafür, dass sie auf diese Düne Sandboarden dürfen. So ein Glück muss man erstmal haben! Da kauft man mal ein Grundstück und plötzlich liegt genau da die größte Düne des Landes drauf!

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Ein weiterer wunderschöner Stop war Stellenbosch. Der weltberühmte Ort des südafrikanischen Weins. Was würde sich da mehr anbieten als eine Weinverkostung zu machen. Wir wurden also mit einem Tuk-Tuk abgeholt und unser Tourguide war eine ältere Frau, die über Facebook den Job gefunden hatte, weil ihr die Pension allein zu langweilig war. Es war wahnsinnig interessant und inspirierend von ihrer Sicht auf viele Dinge in Südafrika zu hören und Geschichten aus ihrem Leben zu hören. Es war wirklich ein toller Tag und es tat gut sich so verwöhnen zu lassen. Auf ihre Empfehlung haben wir uns auch eine Flasche ihres Lieblingsweins gekauft um ein bisschen Südafrika nach Hause mitzubringen. 

Der Berg auf dem zweiten Bild heißt übrigens "High as Hell" übersetzt auf Englisch. Als wir gefragt haben, woher der Name kommt, meinte die Frau nur: Jemand hat vermutlich versucht raufzuklettern und es auf der Hälfte bereut, weil der Berg nun mal high as hell ist.

An unserem ersten Abend in Kapstadt haben wir den Sonnenuntergang auf dem Signalhill angeschaut und den "gedeckten" Tafelberg gesehen. Bewaffnet mit einer Flasche Wein und einer Packung Kekse haben wir einen wunderschönen Blick über Kapstadt gehabt. Besonders süß war der Heiratsantrag, der wir mitbekommen haben. Zuerst haben wirs gar nicht kapiert und plötzlich applaudieren alle. Echt ein tolles Erlebnis!

Kurz nach dem Sonnenuntergang hatten wir noch diesen beeindruckenden Blick über Cape Town bei Nacht! Wirklich eine tolle Stadt!

Eine der wichtigsten Wahrzeichen von Kapstadt ist natürlich der Tafelberg. Marie und ich waren uns aber einig, dass es viel cooler ist, selbst hochzulaufen, als mit der Gondel zu fahren. Nach zwei Stunden Treppensteigen und mehrmaligen Fragen, ob wir eigentlich noch ganz normal im Kopf sind, haben wir dann doch unser Ziel erreicht. Und der Ausblick war den ganzen Schweiß und alles Fluchen wert. Wir haben oben auch nochmal mehrere Stunden verbracht, weil es einfach so wunderschön war. 

Total süß waren auch die Dassies. Sie sehen aus wie große Hamster und mögen anscheinend Äpfel. Ich hab ihnen aus Spaß meinen Apfel hingehalten und hätte nicht gedacht, dass sie wirklich so mutig sind, aber er hat mir sogar aus der Hand gefressen. Danach war ich natürlich der Hit bei den kleinen Kindern, die uns zugeschaut haben. 

Als wir schon wieder auf dem Weg zurück nach Durban waren, haben wir noch einen Tag in Port Elizabeth gestoppt um den Addo Elephant Nationalpark zu besuchen. Auf einer ganztägigen Safari haben wir Elefanten, Warzenschweine (Pumbas), Zebras, Antilopen, alle möglichen Vögel und Wasserbüffel gesehen. Am Ende hatten wir sogar das Glück einen Löwen zu sehen. Echt beeindruckend! Auch wenn ich im Zoo natürlich schon viele dieser Tiere gesehen habe, ist es schon was ganz anderes, wenn eine riesige Elefantenherde ganz knapp an dem Auto vorbei geht. Wenn man auf dem Bild genau hinsieht, kann man ganz viele Elefanten an dem Wasserloch entdecken. 

Und am Ende noch ein Bild von meiner Lieblingsreisebegleiterin. Auch wenn wir viel zu viel gegessen, viel zu viel Geld ausgegeben und viel zu viel Geld für Essen ausgegeben haben, war es ein wunderschöner Urlaub und ich bin jederzeit für ein neues Abenteuer mit dir bereit! 

Vielen Dank an alle für´s Lesen! Ich kann eine Reise durch Südafrika nur empfehlen. Vor allem alles was man erlebt, das man nicht in Fotos festhalten kann. Menschen, die man trifft und all die unterschiedlichen Seiten des Landes. Nachdem ich aber auch die Touristenseite gesehen habe, muss ich sagen, dass ich den Teil des Landes bevorzuge in dem die Kühe nicht eingezäunt sind, weil ich hier mein neues Zuhause gefunden habe und auch wenn es oft anstrengend ist, dass es hier so gar nicht wie in Österreich ist, sind Rundhütten und Kühe auf der Straße, Aunties in bunten Schürzen und das Schreien der Kinder viel mehr Südafrika als Strand, Wein und Urlaub. 

Liebe Grüße und schöne Ostern!

Eure Anja 

 

PS: Genau das war der Blick meiner Eltern als ich sie raten habe lassen wie viel mein Urlaub gekostet hat. wink

 

 

 

 

 

25Februar
2018

Pre-School - von A-A-Apple und Hokey -Pokey

Hallo liebe Blogleser, 

seit meinem letzten eher deprimierenden Eintrag habe ich länger nichts mehr geschrieben und ich finde es wird Zeit euch mal ein Update zu meinem Leben hier zu geben. Es hat sich nämlich einiges geändert und ich habe neue Aufgaben und damit auch neue Herausforderungen, denen ich mich täglich stellen muss.  

Seit Beginn dieses Schuljahres haben wir in iKhethelo nicht nur eine Volksschule, sondern auch eine Vorschule für die 3-4-Jährigen. Diese sind zwar noch ziemlich jung, aber umso früher sie Englisch lernen, desto leichter werden sie es später in der Schule haben. Dann können sie nämlich auch in die Schulen gehen,  in denen auf Englisch unterrichtet wird und haben bessere Chancen später einen guten Abschluss zu machen und studieren zu können. Davon sind wir jetzt natürlich noch weit entfernt wink

Zurzeit werden in der Vorschule zwischen 4 und 6 Kinder unterrichtet, das hängt davon ab, ob die Aunties ihre Kinder mitbringen oder nicht. Jannine, unsere Volunteer-Koordinatorin, leitet das Programm und hat mich vor einigen Wochen gefragt, ob ich Interesse hätte, ihr zu helfen und dreimal die Woche in der Vorschule mitzuarbeiten. Ich habe "Ja" gesagt und so bin ich nun zu meinem neuen Job im Village gekommen. 

Meine Arbeitszeiten sind von 8:00-12:30 Uhr jeden Montag,  Dienstag und Donnerstag. Wir beginnen den Tag meistens mit einigen Liedern und versuchen den Kindern ein bisschen Zeit zu geben um ihre ganze überschüssige Energie loszuwerden, damit sie sich später besser konzentrieren können. Es handelt sich hierbei um Tophits wie "Itsy Bitsy Spider" oder "Hokey Pokey", die ich den ganzen restlichen Tag als Ohrwurm habe. Dabei können die Kinder auch den Unterschied zwischen Links und Rechts lernen ("Put your right hand in, put your right hand out, put your right hand in and shake it all out,..."). Auch die christliche Erziehung spielt hier eine große Rolle und so marschieren wir oft um den Tisch und singen "I'm in the Lord's Army- YES SIR!" Den Kindern macht es großen Spaß und sie lieben es zu singen und zu tanzen.  

Danach beginnen wir mit dem eigentlichen Programm. Wir lernen das ABC ("A-A-APPLE, B-B-BALL,...), Wochentage und Jahreszeiten. Außerdem stehen wir oft am Fenster und überlegen wie das Wetter gerade so ist (laut den Kindern immer sunny) oder zählen unsere Zehen. Später geht es weiter mit Buchstaben schreiben und Bilder ausmalen. Meine Aufgabe dabei ist meistens einfach aufzupassen, dass keiner den Tisch oder sich selbst anmalt.

B-B-BALL Die Jungs beim Ausmalen

Nach einer Jause mit einem Sandwich und Saft geht es weiter mit Craft, also Basteln und wir lernen jede Woche über ein anderes Insekt. Zum Beispiel gehen wir dann draußen nach Spinnen suchen und basteln dann eine Spinne aus Papier. Um 12:30 gehen wir dann zurück in die Creche, wo die Kinder dann bis 2:00 Uhr beaufsichtigt werden. 

Auf der Suche nach Spinnen

Soviel also zu unserem Programm und wie es theroretisch alles aussieht. In Wirklichkeit ist es natürlich alles ganz anders aus, wie jeder, der mit Kindern arbeitet, sicher bestätigen kann. Statt im Kreis zu tanzen, liegen sie manchmal auf dem Boden und statt schön innerhalb der Linien zu malen, wird der ganze Tisch angekrizelt. Aber auch wenn es immer wieder sehr anstrengend sein kann, macht es mir auch wirklich viel Spaß. Vor allem die Freude der Kinder, wenn sie etwas gut gemacht haben und wir sie dafür loben oder unsere Prinzessin, für die alles pink sein muss. Da wünscht man sich echt, man könnte sich auch nochmal so über einen pinken Stift freuen, wenn sie in ihrem pinken Kleidchen auf dem pinken Sessel sitzt und dir strahlend zeigt dass sie gleich zwei pinke Stifte hat. 

Hauptsache Pink

Auch die Unterhaltungen mit den Kindern sind immer wieder sehr witzig. Sie können zwar alle eher schlecht englisch, aber das hält sie nicht davon ab dich zuzuquatschen. Vor allem, wenn wir ihnen freie Zeit zum Spielen mit Knete geben, erzählen sie ununterbrochen was sie alles machen. 
"Is me, is cooking for Auntie. Is Porridge." oder 
"I'm making the snake! Is sleeping Snake"

Vor allem ist es aber süß, wenn sie spielen, dass sie Lehrer sind und wir die Schüler. Wenn eines der Kinder sich nämlich nicht gut benimmt, rufen wir Uncle David an und er nimmmt die Kinder dann mit ins Office, damit sie sich beruhigen und hoffentlich später besser benehmen. Wenn sie also die Lehrer sind, dann rufen sie immer Uncle David an: "Hello David, you please come. Yes is Anja, is naughty. Please take to Office, Thank you, bye!" Und dann werde ich auf einen Sessel gesetzt und alle schauen mich ganz böse an. 

Natürlich könnte ich noch viele Geschichten erzählen, aber ich denke, damit hab ich mal einen guten Überblick über meine neuen Aufgaben gegeben. Ich kann leider auch nicht zu viele Bilder hochladen, da ich ja die Gesichter der Kinder möglichst wenig zeigen soll. 

Vielen Dank an alle, die immer wieder so fleißig lesen und viele liebe Grüße!

Anja 

 

 

 

17Januar
2018

Schlechte Tage und tiefgehende Erfahrungen

Hallo liebe Blogleser, 

jetzt habe ich euch schon so viel von all den tollen und schönen Dingen erzählt, die ich in den letzten Monaten erleben durfte und ich finde es wird Zeit auch von den Dingen zu erzählen, die mich traurig machen oder mich wirklich zum nachdenken bringen. Immerhin soll dieser Blog meine ganze Auslandserfahrung wiederspiegeln und da gehören auch die nicht so schönen Erfahrungen dazu. 

Als erstes möchte ich über das Thema Heimweh schreiben und euch erzählen wie es mir damit geht, denn immerhin ist es das erste Mal, dass ich meine Familie und Freunde länger als zwei Wochen nicht sehe. Insgesamt geht es mir damit wirklich recht gut und ich habe ja immer wieder die Möglichkeit mit meiner Familie und meinen engsten Freunden zu skypen oder zu schreiben. Aber auch das längste Telefonat kann ein Treffen nicht ersetzen und an vielen Tagen wär eine Umarmung von meiner Mama oder einen Kaffee mit meiner besten Freundin genau das was ich brauchen würde. Auch die Dinge, die man nie gedacht hätte, dass man sie so vermissen kann, verursachen plötzlich ein großes Loch und man wünscht sich zuhause sein zu können. Jetzt im Auto mit meinen Geschwistern unsere Lieblingslieder performen oder gemeinsam einen Film schauen und unseren Kater streicheln zu können. Oder Oma's Streuselkuchen essen und aus dem Fenster über den Wiener Wald schauen. Mit meiner Jugend dumme Witze machen beim Abendessen und danach "Mafia"spielen. Im "Salettl" sitzen und mit einem Spritzer anstoßen oder gemeinsam feiern bis die Sonne aufgeht. Vor der Gloriette sitzen bis man von den Parkwächtern rausgeworfen wird. Bei Mc-Donalds einen Schoko-Cookie-Frappe trinken und sich drüber aufregen, dass das Schlagobers fehlt. Und das ist nicht mal ansatzweise alles was mir in den letzten Monaten gefehlt hat bzw. immer noch fehlt. Das Schöne ist, dass ich damit nicht allein bin und Louisa und Marie besser als alle zuhause verstehen können, wie sich das alles anfühlt. Wenn uns also das Heimweh packt, erzählen wir von zuhause, kochen was uns an zuhause fühlen lässt, schauen uns Fotos von unseren Liebsten an, versuchen uns abzulenken oder akzeptieren es einfach, dass man manchmal auch ein paar Tränen vergießen muss.

Eine weitere Sache, die mir immer wieder einiges an Stärke abverlangt sind die Geschichten der Kinder. Natürlich kenne ich nicht jede Geschichte und viele sind auch einfach unbekannt, aber die Geschichten, die ich kenne, treiben einem Tränen in die Augen und man fragt sich einfach nur noch: Warum? Kinder werden in Schuhkartons auf der Straße gefunden, stundenlang in einem winzigen Zimmer eingesperrt, vergewaltigt, geschlagen oder einfach alleine gelassen. Ich höre die Geschichten und sehe die Kinder und frage mich: wie kann man ihnen das antun? Auch wenn man es tagsüber während man mit den Kindern arbeitet, gut ausblenden kann, kommen solche Gedanken in ruhigen Minuten wieder hoch und man realisiert wie gut man es eigentlich hat. Ich habe Eltern, die mich lieben und ein sicheres Zuhause und ich bin gesund. Wenn man kleine Kinder sieht, die eine Krankheit haben an der sie ziemlich sicher sterben werden und alles was man tun kann ist, dieses Ende möglichst lange rauszuzögern, merkt man wie viel dankbarer man für seine Gesundheit eigentlich sein sollte. Alles was ich tun kann um den Kindern zu helfen, ist sie zu lieben und zu hoffen, dass sie lernen, dass alles was in der Vergangenheit passiert ist, Vergangenheit ist und dass sie hier und jetzt geliebt und wertgeschätzt werden. 

Etwas was mich traurig und zugleich wütend macht, will ich auch noch hier erzählen. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass wir in Botha's Hill wohnen, was sowas wie ein Township ist. Die Menschen leben hier in Rundhütten mit Wellblechdächern und unter keinen besonders guten Umständen. Das Kinderdorf ist ganz am Anfang von Botha's Hill, aber umso weiter man hineinfährt, desto ärmer wird es. Ungefähr 10 Minuten entfernt, liegt Hillcrest. Ein Reichenort, in dem sich Gate Communities aneinanderreihen und fast jeder einen Land Rover fährt. Eine "Gate Community" ist, wie der Name schon sagt, eine Gemeinschaft von mehreren Familien oder Paaren, die alle zusammen hinter einem Zaun wohnen. Es gibt also ein Eingangstor und innerhalb eines hohen Elektrozauns stehen dann einige Häuser. Im Grunde geht es dabei hauptsächlich um Sicherheit und um sicher zu stellen, dass niemand in die Nähe deines Grundstücks kommen kann, der dazu nicht befugt ist. An sich ist es auch okay, sein eigenes Grundstück einzuzäunen, nichts anderes tun wir ja auch. Das eigentliche Problem, dass ich damit hab, ist dass es so scheint, als hätten viele dieser Gate-Community-Mitglieder vergessen wie es um sie herum aussieht. Ich habe immer das Gefühl, dass sie sich hinter ihren Elektrozäunen verstecken und gar nicht sehen wollen wie es nur 10 Minuten entfernt von ihnen aussieht. Man hört ja immer von den großen Unterschieden zwischen arm und reich in Südafrika, aber das es so krass ist, hätte ich wirklich nicht gedacht. Es tut weh und es macht mich wütend zu sehen,  wie ignorant diese Menschen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man ruhigen Gewissens teuren Wein trinken kann, während nicht mal eine Viertelstunde entfernt, Menschen kein fließendes Wasser haben.  

Das selbe Problem habe ich leider auch in der Kirche, die wir besuchen. Die liegt auch in Hillcrest und ist riesig. Das Kinderprogramm ist wirklich gut und auch die Gottesdienste sind meistens sehr schön, aber auch hier sind wieder lauter reiche weiße Südafrikaner, die, wie es mir scheint, sehr stolz darauf sind, dass sie ja so viel Geld an soziale Projekte geben. Was an sich auch sehr schön ist, aber ich habe das Gefühl, dass es da mehr um den guten Ruf geht, als darum wirklich jemandem zu helfen. Denn dann würde sicher weniger Geld an die private christliche Schule der Kirche gehen und man könnte uns zum Beispiel helfen alle Schulsachen für die Kinder zu kaufen oder einem Kind aus Botha's Hill überhaupt eine einigermaßen gute Schulbildung zu ermöglichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihre Schule unbedingt ein eigenes Schwimmbecken braucht, wenn es Kinder gibt, die nicht mal Kleidung haben. 

Ich weiß, dass das kein besonders fröhlicher und schöner Blogeintrag war, aber ich habe das Gefühl, dass ich das alles auch einmal loswerden musste. Natürlich sind das alles auch nur meine eigenen Gedanken und Eindrücke und ich weiß natürlich nicht wie die Finanzen der Menschen in Hillcrest oder die der Kirche wirklich aussehen. 

Vielen Dank für's Lesen und ich versuche nächstes Mal über etwas schönere Themen zu schreiben.winkDann gibts auch wieder Fotos, die hier aber einfach nicht gepasst hätten. 

Viele liebe Grüße und eine gute neue Woche, 

Anja

 

 

06Januar
2018

Silvester in Kapstadt

Hallo liebe Blogleser, 

 Erstmal Frohes neues Jahr und willkommen zu einem neuen Blogeintrag! Heute aus Kapstadt wo ich Silvester und das neue Jahr verbringe. Da wir 4 Tage hier waren, wird das eher ein langer Eintrag - nur so als kleine Vorwarnung! Und jetzt viel Spaß mit meinen Erlebnissen und Erfahrungen in der westlichsten Stadt Südafrikas. 

Unsere Reise beginnt am Flughafen in Durban, der so klein ist, dass es nur ca 20 Gates gibt und so haben wir keine Schwierigkeiten uns zurechtzufinden. Nach einem Flug von ca 2 Stunden landen wir und sind endlich in Kapstadt. Von einem Uber (ein Taxi, das über eine App gerufen wird) lassen wir uns in unser Apartment bringen und genießen dort erstmal den wunderschönen Ausblick über das Meer. 

Nach einer halben Stunde kommen auch die anderen Mädchen an mit denen wir uns das Haus teilen, die von der selben Organisation wie Louisa und Marie nach Südafrika gekommen sind. Zusammen einigen wir uns dann wer, mit wem und wo schläft und ich habe das Glück das schönste Zimmer von allen mit eigenem Balkon zu bekommen. Nachmittags machen wir uns dann auf den Weg zum Strand und schauen uns einen kleinen Food Market an und verbringen einen schönen ersten Abend in Kapstadt. 

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und machen uns auf den Weg in die Innenstadt von Kapstadt um dort in einer der typischen roten Touri-Busse zu steigen. Den Tag wollen wir nämlich mit Sight-Seeing verbringen und man kann ja kaum nach Kapstadt fahren, ohne am Kap der guten Hoffnung gewesen zu sein. 

Zuerst fahren wir an den Cape Point, also den südlichsten Punkt des Kaps. Dort laufen wir hinauf zu einem der ältesten Leuchttürme und machen Erinnerungsfotos. Dort kann man auch das Denkmal Vasco da Gamas sehen, der als erster Europäer das Kap erreichte. Nach diesem ersten Stop nutzen wir die Gelegenheit und wanderten um das Kap herum zu dem Punkt wo sich atlantischer und indischer Ozean treffen.

Auch wenn viele Menschen behaupten, sie könnten eine Linie sehen, wo die beiden Ozeane sich berühren, sieht man in Wirklichkeit "nur", dass Wellen aus zwei verschiedenen Richtungen auf die Küsten zukommen. Trotzdem sehr beeindruckend und wirklich wunderschön. Nachdem wir auch hier viele Fotos gemacht hatten, ging es mit dem Bus weiter zum Boulder's Beach an dem die afrikanischen Pinguine oder auch Brillenpinguine leben. 

Zwar war es sehr witzig die süßen Tiere in einem total untypischen Umfeld zu beobachten, aber am Ende waren wir uns alle einig, dass dieser Ort viel zu touristisch ist und man durch die vielen Menschen eher das Gefühl hatte in einem Zoo zu sein, als die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. 

Als wir nach diesem schönen Tag wieder in Kapstadt angekommen waren, sind wir noch alle gemeinsam essen gegangen und sind danach todmüde ins Bett gefallen. 

Am nächsten Morgen haben wir uns dann nach einem entspannten Frühstück wieder auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Diesmal allerdings haben wir den Zug ausprobiert, der uns immer wieder als gefährlich beschrieben wurde, vor allem nachts. Tagsüber mit vielen Leuten sollte es allerdings kein Problem sein. Und so kauften wir uns ein Ticket für ca 80c und fuhren eine Stunde in die Stadt. Wir wurden natürlich angestarrt, weil kaum ein anderer Weißer hier mitfährt, aber außer, dass zwischendurch die Tür einfach offenstand, war das alles kein Problem. 

In der Stadt angekommen, haben wir uns die bunten Häuser der früheren Sklaven angesehen, die heute eine große Attraktion sind.Ein wirklich wunderschönes Viertel der Stadt- komplett in Regenbogenfarben gestrichen.

Danach haben wir uns die Waterfront angesehen und in einem coolen Foodmarket eine Pizza, eine Waffel und einen Shmoothie geholt - man gönnt sich ja sonst nichts ;). Da es ja der 31.Dezember, also Silvester war, haben wir abends einen netten Cocktail und ein gutes Abendessen in einem sehr netten mekanischen Restaurant gegessen und haben auf ein gutes Ende von 2017 angestoßen. In einer kleinen Cocktailbar konnte man sich an einer modernen Juke-Box Musik wünschen und so haben wir mit dem ganzen Lokal und allen Gästen Macarena getanzt. 

 

Als wir uns gerade auf den Weg zu einem netten kleinen Eisladen gemacht hatten, begann es plötzlich zu schütten, wie ich es hier lange nicht mehr erlebt habe. Wir hatten natürlich alle nur unsere Sommersachen an und kamen komplett durchnässt am Eisgeschäft an. Das hat uns nicht davon abgehalten ein leckeres Eissandwich und Cookies zu essen. So ein Pech muss man erstmal haben! Kapstadt steckt gerade in der schlimmsten Dürre der letzten 100 Jahre und genau zu Silvester muss es schütten! 

Wir haben uns allerdings nicht die Laune verderben lassen und haben entschieden, dass wir wieder zur Waterfront fahren und dort mit gefühlt allen anderen Touristen das Feuerwerk anzuschauen. Komplett durchgefroren haben wir also die letzten Sekunden von 2017 runtergezählt und dann das wunderschöne Feuerwerk anzusehen und so 2018 zu begrüßen. Danach machten wir uns auf den Weg zurück auf die Longstreet, die Haupteinkaufs-und Restaurantsstraße. Zum Glück hatten wir unser Geld und unsere Handys in unseren BH's versteckt, denn immer wieder spürten wir wie jemand, wie zufällig, seine Hände in unseren Taschen hatte. In einem coolen Bierlokal mit Tanzfläche haben wir dann die ersten Stunden des neuen Jahres verbracht. Mit Blick auf den Sonnenaufgang über dem Meer sind wir dann sehr zufrieden eingeschlafen. 

Am nächsten und leider auch schon letzten Tag in Kapstadt haben wir erstmal lange geschlafen und haben uns dann den Nationalpark von Kirstenbosch angesehen. Mit den wunderschönen Gärten und dem Tree-Top Weg war dieser auf jeden Fall einen Besuch wert und bei einem entspannten Picknick mit Blick auf die Berge hatten wir nochmal Zeit zu entspannen. 

Abends haben wir gekocht und uns bei einem guten Glas Wein gegenseitig von den Projekten erzählt, in denen wir arbeiten. Es hat gut getan sich austauschen zu können und von Problemen, der anderen zu hören, hat uns geholfen unser Kinderdorf noch mehr wertzuschätzen. Ich hab mich gefreut, diese lieben Mädchen kennenzulernen und zu hören was sie so in Südafrika erleben. 

Am nächsten Morgen, unserem Abreisetag, hat mich Marie mit folgenden Worten geweckt:" Anja, ich habe eine ganz tolle Idee". Klingt schon mal eher verdächtig. Ihre Idee war nochmal schnell runter zum Strand zu gehen und ein morgendliches Bad im Atlantik zu nehmen. Nachdem ich mich lange geweigert habe, hab ich dann doch nachgegeben und so sind wir noch schnell im eiskalten Wasser schwimmen gegangen, aber wir haben wenigstens noch ein Foto von den berühmten bunten Strandhäusern von Muizenberg machen können. 

Nach dem Frühstück wurde es dann Zeit zum Abschied nehmen und in den Bus zu steigen, der uns nach Durban zurück bringen sollte. Über 22 Stunden sollte das dauern und wir hatten so gar keine Lust darauf. 

Mittlerweile sind wir aber gut angekommen und schauen auf eine wunderschöne Zeit in Kapstadt zurück. Marie und ich planen auf unserer Rundreise durch Südafrika nochmal wieder zu kommen um diese besondere Stadt noch besser kennenzulernen. 

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen mehr von Südafrika zeigen und Bilder sagen sowieso mehr als Worte. 

Liebe Grüße und ein frohes neues Jahr!

Anja 

28Dezember
2017

Merry Christmas - wie man Weihnachten bei 37 Grad feiert

Hallo ihr Lieben,

Erstmal frohe Weihnachten! Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Fest und eine gute Zeit mit Freunden und Familie und habt euch gut erholt.

Für mich war Weihnachten dieses Jahr ganz anders als ich es gewohnt bin. Hier ist nämlich gerade Sommer und so feiert man eher in Shorts und unter Palmen als eingekuschelt vorm Kamin. Außerdem wird Weihnachten hier am 25. Dezember, also am Weihnachtsmorgen gefeiert. Da hier alles etwas anders ist, als ich und ihr wahrscheinlich auch, es kennt, werde ich euch in diesem Blogeintrag von meinen beiden Weihnachtstagen erzählen.

Am 24. Dezember kamen morgens Louisas Eltern zu uns und wir haben gemeinsam gefrühstückt und die 4. Kerze am Adventskranz angezündet. Danach haben wir uns mit viel Sonnencreme und unseren Bikinis ausgerüstet und haben uns auf den Weg nach Durban gemacht. Dort haben wir den bekannten Viktoria Street Market besichtigt, auf dem vor allem viel Schmuck aus Perlen im Zulu-Style und Gewürze kaufen konnte. Am besten hat uns das Chili-pulver namens „Schwiegermutters Höllenfeuer“ gefallen. Außerdem habe ich mir Ohrringe für umgerechnet 60 Cent gekauft. Ein kleines Weihnachtsgeschenk an mich selbst.

Als wir uns an der ganzen Holzkunst und dem Perlenschmuck sattgesehen und unsere Nasen keinen Curry- und Chilliduft mehr aufnehmen konnten, entschieden wir uns der größten Moschee der südlichen Halbkugel einen Besuch abzustatten. Doch als wir uns endlich in die langen Hosen und Jacken, die Vorschrift sind, gequält hatten, mussten wir leider feststellen, dass die Moschee geschlossen hatte. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zum Strand. Als wir so in der Sonne lagen, mussten wir feststellen wie seltsam es ist, zu wissen, dass die Familie zuhause gerade alles für den heiligen Abend vorbereitet und wir hier am Strand liegen. Hätte uns vor einem Jahr jemand gefragt, was wir dieses Jahr zu Weihnachten machen, hätten wir wohl niemals geantwortet, dass wir am Strand in Südafrika liegen. Wir haben auch das coolste Fast-Food-Restaurant der Welt gefunden. Wimpy ist hier so ähnlich wie McDonalds bei uns und hier gibt es eine Filiale mit einem Pool und Meerblick. Wirklich eine coole Idee.

Abends wollten wir in einem indischen Restaurant essen gehen, das uns ein Reiseführer empfohlen hatte. Nachdem wir aber fast eine Stunde herum gefahren sind, ohne das Restaurant zu finden, entschieden wir in einem kleinen süßen Italiener zu Abend zu essen. Bei einem guten Glas südafrikanischem Wein hatten wir einen wirklich schönen Abend. Als wir wieder zuhause angekommen waren, war noch etwas Zeit zum Skypen mit der Familie und dann war der 24. auch schon wieder vorbei.

Richtig Weihnachten gefeiert haben wir hier im Dorf dann am 25.Dezember. Da es hier Tradition ist morgens zu feiern, sind wir mit einem kurzen Gottesdienst mit Blick auf die Berge, in den Tag gestartet.

Danach war es endlich Zeit für Geschenke. Dazu sind wir ins Cottage 5 gegangen und jedes Kind hat einige Päckchen überreicht bekommen. Viele Geschenke haben genau ins Schwarze getroffen, wie zum Beispiel die schwarze Babypuppe und ein Prinzessinnen-Outfit für unser Dreijähriges Mädchen. Auch die coolen Spiderman- und Batman-Rucksäcke für unsere Vorschulkinder waren ein Highlight. Die Kinder zwischen 9 und 14 haben, dank einer großzügigen Spende, eigene Armbanduhren bekommen und erzählen jetzt stolz allen, egal ob sie es hören wollen oder nicht, wie spät es gerade ist. Die Burschen haben alle ihren eigenen Fußball bekommen, damit es endlich keine Streitereien mehr gibt, wer wessen Ball geklaut hat. 

Und habt ihr eure Geschenke schon entdeckt?  

Ein besonderes Geschenk konnte ich den Kindern dieses Jahr dank der Hilfe meiner Gemeinde, der Moga, machen. Vor einigen Monaten ist der gemeinsame Fernseher des Dorfes kaputt gegangen und dadurch auch ein bisschen der gemeinsame Raum für alle um zusammen zu kommen. Die Moga hat Spenden für das Dorf gesammelt für Aktivitäten während der Ferien und da soviel zusammen gekommen ist, hatten wir nicht nur die Möglichkeit tolle Ausflüge zu machen, sondern auch noch den Mittelpunkt in unser „Wohnzimmer“ zurück zu bringen. Ich denke, wir konnten den Kindern damit eine große Freude machen und wieder einen Platz schaffen, an dem alle Altersgruppen zusammen kommen können um einen Film zu schauen oder sich Fußball-Battles auf der Playstation zu liefern. Es ist auch einfach schön zu sehen, wie wirklich alle gerne Zeit miteinander verbringen, wenn Raum dafür ist.

Nachdem alle Geschenke ausgepackt, bestaunt und ins Cottage gebracht wurden, wurde das Essen vorbereitet.  In der Schoolhall haben die Tische festlich dekoriert und die Aunties haben typisches Zulu-Essen gebracht. Besonders cool fand ich auch die Christmas-Cracker. Die sehen aus wie große Bonbons aus Papier und wenn man an beiden Seiten zieht, knallt es kurz und dann kann man meistens eine Papierkrone, einen kleinen Zettel mit einem Witz und ein kleines Geschenk, in meinem Fall einen rosa Plastikring auspacken. 

  

Die Stimmung und das Essen war gut, aber leider herrschte Uneinigkeit darüber, wie der Nachmittag aussehen sollte und so wurde alles sehr stressig, da wir alles sofort aufräumen sollten, statt uns Zeit zu lassen und Weihnachten richtig feiern zu können. Auch die Nachspeise wurde eher schnell runtergeschlungen als in gemütlichem Umfeld genossen. Das hat mir das Weihnachtsfest leider etwas kaputt gemacht.

Nachdem dann alles im Eiltempo aufgeräumt wurde, hatten wir am Nachmittag viel Zeit um den neuen Fernseher mit einem großen Fifa-Fußballmatch gebührend einzuweihen. Abends haben wir uns dann nochmal extra mit den Teenagern Zeit genommen um einen Weihnachtsfilm zu schauen und den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

Auch wenn ich sagen muss, dass mir unsere Art zuhause Weihnachten zu feiern besser gefällt, war es eine schöne Erfahrung und vor allem war es schön den Kindern beim Auspacken zuzusehen und die Freude über die vielen tollen Geschenke zu spüren.  Ein persönliches Highlight für mich war dieses Weihnachten auch, dass unsere Jüngste, die gerade angefangen hat zu sprechen, meinen Namen sagen kann. Sie hat den anderen Kindern wohl zugehört und jetzt ruft sie immer wenn sie mich sieht „An-ja“ und winkt. Einfach nur zum dahinschmelzen!

Das war also mein Weihnachtsfest. Anders, aber schön. Euch allen noch schöne Feiertage und ein frohes neues Jahr!

Liebe Grüße 

Anja

03Dezember
2017

Auf der Suche nach den Drachen in den Drakensbergen

Hallo liebe Blogleser, 

Wer mich kennt, weiß, dass Wandern nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist und wird sich jetzt sicher wundern, dass gleich zwei Blogeinträge nacheinander vom Wandern handeln. Mich wundert es ja selbst, aber Südafrika hat soviele Naturreservate, die weltweit für ihre Schönheit bekannt sind, dass man sie einfach erkunden muss, wenn man schon mal hier ist. Dazu gehören auch die Drakensberge. 

Letztes Wochenende haben uns Louisas Eltern besucht und haben uns nach einer kurzen Führung durch iKethelo, und vielen neugierigen Kindern, mitgenommen auf einen Kurzurlaub in die Drakensberge, genauer gesagt in die Nähe des "Amphie Theaters". Also eine Berggruppe, die wegen ihren steilen Felsen aussieht wie ein antikes Amphitheater. Die Autofahrt dauerte ungefähr 3 Stunden und wurde nur von einem Zwischenstopp bei unserem geliebten Mugg&Beans unterbrochen. Doch schon die Anfahrt war aberteuerlich, da es schon früh dunkel wurde und als dann auch noch ein Gewitter aufzog und es in allen Richtungen zu blitzen begann, freuten wir uns sehr als wir dann das Hotel erreichten. Dort haben wir uns dann an einem leckeren Abendbuffet gestärkt und uns bei einer Flasche Wein nett unterhalten. Nach einem langen Tag sind wir dann auch recht früh schon in unsere Betten gefallen. 

Wir drei Mädels haben in einem Cottage gewohnt mit Blick auf das Amphie Theater und sind so direkt mit guter Laune in den Tag gestartet. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Joghurt, Kaffee, Saft, Toast und Waffeln machten wir uns auf dem Weg zum Naturreservat "Royal Natal National Park", in dem wir wanderen wollten. Der Weg war wirklich wunderschön und führte am Fluss Tugela entlang. Manchmal bergauf, dann wieder bergab, durch den Wald und über weite Wiesen. Wir kamen durchaus manchmal ins Schwitzen auch wenn der Weg grundsätzlich gut zu meistern war. Wir legten immer wieder kurze Pausen zum Trinken und Fotos machen ein. Zum Glück war das Wetter gnädig mit uns und so hatte es nur ungefähr 23 Grad und eher bedeckt. Zum Wandern also ideal. 

Die Strecke, die wir uns ausgesucht hatten, sollte ungefähr 12 km lang sein und ca 5 Stunden dauern. Am Ende müsste man noch zwei Leitern erklimmen um dann vom Gipfel des Berges den zweitgrößten Wasserfall der Welt sehen zu können. Allerdings waren wir nach 2 1/2 Stunden noch sehr weit von den Leitern entfernt und sahen in der Ferne bereits dunkle Wolken aufziehen. Als wir uns entgegenkommende Wanderer befragten, wie lange es doch bis zu den Leitern dauern würde, meinten sie, dass wir noch mit mindestens 45 Minuten rechnen müssten und dass auch der Aufstieg nochmal einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Nachdem wir uns kurz beratschlagt hatten, entschlossen wir, dass es uns zu riskant erschien, den dunklen Wolken entgegen zu laufen. Also drehten wir um und machten uns auf den Rückweg. 

Wir hatten Glück und erwischten noch einige Sonnenstrahlen und hatten auch noch genügend Zeit für ein schönes Picknick. Mit vollem Magen wandert es sich doch gleich nochmal so gut! Unser Timing hat auch perfekt gestimmt und wir haben gerade als es angefangen hat zu regnen, das Auto erreicht. 

Auf dem Rückweg haben wir noch an einem Supermarkt gehalten, um uns typisch südafrikanisches Bier für den Abend mitzunehmen. Was uns vom Hotel als Supermarkt beschrieben wurde, war allerdings nur eine kleine, dunkle Hütte, die mit Gitterstäben gesichtert war. Drinnen wurden wir direkt von vielen Augen neugierig angesehen und uns wurde immer "You are so beautiful" und "Yellow bone" nachgerufen. Als "yellow bone"also gelber Knochen werden alle bezeichnet, die helle bzw. hellere Haut haben. Um etwas einkaufen zu können, musste man einer Frau sagen, was man alles will und sie reicht einem durch die Gitterstäbe dann die gewünschten Produkte. So haben wir dann 0.75l Flaschen Bier bekommen für umgerechnet 1,10€. Durchaus ein aufregender Einkauf. Zurück in unserem Hotel haben wir uns dann Kartoffeln, Baked Beans, Spiegelei und Wildwurst gekocht. Leider ging es Louisa's Mama an dem Abend nicht gut und so konnten wir nur zu viert essen. Nach der Wanderung und dem interessanten Einkauf waren wir dann aber auch sehr müde und sind recht früh ins Bett gegangen.  

Am nächsten Morgen durften wir wieder reichlich frühstücken mit Waffeln, Ham and Eggs, Müsli, Joghurt und natürlich viel Kaffee. Als wir noch ein paar letzte Fotos mit dem Amphie Theater im Hintergrund geschossen hatten, war es leider schon wieder Zeit zum Aufbrechen. 

Es war ein wirklich schönes Wochenende und ich möchte mich auch nochmal herzlich bei Louisa's Eltern bedanken, dass sie uns eingeladen haben mitzukommen! 

Vielen Dank auch an alle, die meinen Blog so fleißig lesen und mein Leben hier mitverfolgen. 

Liebe Grüße und eine schöne Adventszeit 

Anja

 

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